Der Tagesspiegel : Falschmünzer

Nicola Kuhn

Das Geheimnis von Vermeers Bildern hat bis heute niemand gelöst. Der italienische Schriftsteller Luigi Guarnieri versucht dafür die Faszination zu ergründen, die von diesem Lieblingsmaler der Moderne ausgeht – am Beispiel eines legendären Vermeer-Verrückten, des berühmten Fälschers Hans van Meegeren. Der, ein verkannter Maler, stürzte 1947 die Niederlande in den größten Kunstskandal der Nachkriegszeit. Für sieben Vermeers aus seiner Hand hatten Sammler und Museen, ohne zu zögern, Millionen gezahlt. Als Dokumentation verkleidet, versetzt Guarnieri seine Erzählung doch mit genügend fiktiven Elementen, um Aufstieg und Fall eines irregeleiteten Aficionados mit Spannung auszubreiten. Dabei berichtet er kompetent über das Leben Vermeers und seiner Zeitgenossen, was sein Buch zur interessanten Ergänzung für die Niederländer-Ausstellungen in Schwerin, Frankfurt und Hamburg macht. Zu einem Lehrstück über den Kunstbetrieb aber wird seine Doku-Fiction durch die Darstellung, wie eilfertig die Experten auf van Meegerens Fälschungen hereinfielen, wie subjektiv ihr Urteil ist. Allerdings begeht der Autor selbst einen Kunstfehler, indem er Hermann Göring zum größten Opfer des Fälscherskandals hochstilisiert. Das passt so gar nicht zur stillen Sehnsucht von Vermeers Bildern.


Dieses Buch bestellen Luigi Guarnieri: Das Doppelleben des Vermeer. Kunstmann Verlag, München. 240 Seiten, 18,90 €.

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