Der Tagesspiegel : Familie Nguyen im Kirchenasyl

Claus-Dieter Steyer

Ein wegen Vergewaltigung verurteilter Straftäter hat sich während eines Freiganges erneut an einem 15-jährigen Mädchen aus Eberswalde vergangen. Das bestätigte gestern das Eberswalder Polizeipräsidium auf Nachfrage. Die Deutsche Polizeigewerkschaft hatte zuvor in einer Meldung von einem "Justizskandal" gesprochen. Es sei nicht zu verstehen, wieso ein bereits zweifach verurteilter Sexualstraftäter unkontrollierten Ausgang erhalte.

Die Tat ereignete sich bereits am vergangenen Sonnabend. "Wir wollten die Jugendliche schützen und haben deshalb die Öffentlichkeit nicht informiert", sagte der Sprecher des Eberswalder Polizeipräsidiums, Thoralf Reinhardt. Nach seinen Angaben kannten sich das Mädchen und der in der Berliner Justizvollzugsanstalt Hakenfelde einsitzende 27-jährige Berliner Rene S. oberflächlich. "Sie tauschten regelmäßig SMS-Nachrichten über ihre Handys aus", teilte er mit. Am vergangenen Sonnabend hatte Rene S., dessen Strafe 2004 ablaufen sollte, wieder Freigang. Da bot er dem Mädchen an, sie mit seinem Pkw zu einem Ausflug in Eberswalde abzuholen. Die Fahrt führte in ein Waldgebiet bei Eichhorst in der Nähe der Ausfahrt Finowfurt der Autobahn Berlin-Prenzlau. Dort versuchte der Mann sich zwischen 16 und 17 Uhr, der 15-Jährigen sexuell zu nähern. Sie wehrte jedoch alle Übergriffe ab, wie sie später der Polizei zu Protokoll gab. Daraufhin wurde Rene S. handgreiflich. Er schlug dem Mädchen ins Gesicht, zerrte sie aus dem Wagen und vergewaltigte sie. Anschließend zog er sie zurück in das Fahrzeug, fuhr mit ihr zurück nach Eberswalde und setzte sie auf einer belebten Straße ab.

Das Mädchen suchte die Polizei auf und erstattete Anzeige. Dank der gespeicherten Handy-Nummer konnte der Straftäter schnell ermittelt und in seiner Berliner Wohnung festgenommen werden. Er wurde zur Vernehmung ins Eberswalder Polizeipräsidium gebracht. Der Haftrichter ordnete Untersuchungshaft in einer Brandenburger Justizvollzugsanstalt an. "Dort erhält er auf keinem Fall Ausgang", sagte Polizeisprecher Reinhardt. Die Beamten im Präsidium fühlten sich bei den Ermittlungen laut einer Mitteilung der Polizeigewerkschaft sofort an das Verbrechen an der zwölfjährigen Ulrike Brandt im Februar erinnert. Auch sie stammte aus Eberswalde und wurde Opfer eines Straftäters, der sich ebenfalls auf freiem Fuß - allerdings wegen Bewährung - befand. Glücklicherweise endeten hier aber die Parallelen. Das 15-jährige Vergewaltigungsopfer soll sich den Umständen entsprechend in guter Verfassung befinden.

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