Der Tagesspiegel : Familienflucht

Andreas Oswald

Sachs, Champagner, Girls und Rock ’n’ Roll – es gab eine Zeit, da haben Playboys die Öffentlichkeit elektrisiert. Heute, da jeder sich so viel Party leistet, wie er ertragen will, wirkt die Bezeichnung Playboy wie ein Begriff aus längst vergangenen Zeiten. Gunter Sachs ist der Inbegriff der Gattung. Zwar ist er nun schon beinahe vier Jahrzehnte mit derselben Frau verheiratet und macht allenfalls noch von sich reden, wenn er Fotos oder ein Buch über Astrologie veröffentlicht. Dass er aber einst einer Zeit des Wiederaufbaus, der Tüchtigkeit und Sparsamkeit provozierende Hemmungslosigkeit entgegengesetzt hat, dafür genießt er die Bewunderung Wilfried Rotts, der ihn und seine Familie porträtiert hat.

Kann es zum Thema noch etwas Neues geben? Es gibt etwas. Die Nazis haben versucht, Gunter und seinen Bruder, damals im Kindesalter, gewaltsam zu entführen. Diese Episode wirft ein Licht auf die Familie, das Gunter Sachs nicht gerne sieht. Rott, eigentlich ein kurzweiliger Plauderer, hat ausführlich recherchiert, wie Gunters Vater Willy, Erbe des Firmengründers Ernst Sachs, früh zu den Nazis stieß und die Gunst Himmlers genoss. Gunters Mutter Elinor von Opel trennte sich von ihm und ging in die Schweiz. Es gelang dem Vater, Partei- und Staatsführung für die Kindesentführung zu gewinnen. Sie misslang. Später wurde das Außenministerium eingespannt, um legal an die Kinder zu kommen, vergeblich.

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Rott bekam bei seinen Recherchen keinerlei Unterstützung von Seiten der Sachs-Familie. In seiner Darstellung der Familienvergangenheit wirkt Gunters demonstratives Playboy-Leben wie eine Flucht. Ob sie bis heute anhält, wird seine eigene Biografie zeigen, die im November erscheinen soll.

Wilfried Rott: Sachs – Unternehmer, Playboys, Millionäre. Eine Geschichte von Vätern und Söhnen. Karl Blessing Verlag, München. 377 Seiten, 21,90 €.

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