Der Tagesspiegel : Fast wie an der Loire

Am Wegesrand: Das Renaissance-Schloss Lanke gehörte einst Großgrundbesitzern. Heute steht es leer

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Das bauliche Schmuckstück der Radtour zu den Waldseen ist hinter einer Mauer und einem Zaun versteckt. Aber das zwei Meter breite Loch in der Klinkermauer an der Straße nach Biesenthal reicht aus, um sich bequem den Weg zum Schloss im kleinen Dorf Lanke zu bahnen. Der Abstecher lohnt sich.

Im Renaissancestil erbaut, unterscheidet sich das Gebäude stark von den eher unspektakulären Fassaden der meisten märkischen Schlösser und Herrenhäuser. Ärger mit dem Schlossherren wegen des heimlichen, unangemeldeten Besuchs muss niemand befürchten. Das Haus steht seit langem leer. Mancher Ausflügler mag sich beim Anblick der Türmchen verzierten Fassade an das Ufer der Loire versetzt fühlen. Tatsächlich hat sich der Bauherr mit dem schönen Titel „OberstKämmerer und Wirklicher Geheimer Rat Seiner Majestät des Königs“, Graf Wilhelm von Redern, an Bildern schöner Bauten aus der Loire-Region orientiert.

Zwischen 1856 und 1859 ließ er auf den Grundmauern eines im Dreißigjährigen Krieg zerstörten Vorgängerbaus das Schloss von Architekt Eduard Knobloch errichten. Der Park soll von Gartenarchitekt Peter Joseph Lenné angelegt sein. Doch neue Nachforschungen nähren Zweifel an dieser Aussage. Möglicherweise hat der Meister nur einen kurzen Blick auf die schon fertigen Pläne geworfen.

Um 1900 stieg die Familie von Redern zu den größten Grundbesitzern des Niederbarnims auf. Eine geschäftliche Pleite machte der Erfolgsära jedoch ein Ende. Um seine Schulden zu tilgen, verkaufte der letzte Schlosseigentümer, Freiherr von Reedern, 1914 das Landgut Lanke und das Schloss an das damalige Land Berlin. Das Schloss Lanke diente später als exklusives Gästehaus. 1938 bereitete sich Max Schmeling in dem am Obersee gelegenen Restaurant Seeschloss auf seinen WM-Kampf gegen Joe Louis vor.

Zu DDR-Zeiten wohnten im Schloss alte und geistig behinderte Menschen. Zuletzt nutzten die Hoffnungsthaler Anstalten die Räume. Die zogen nach der Wende aus und die Berliner Stadtgüter übernahmen die Verwaltung. Mit erheblichen Aufwand wurden Dach und Türme erneuert, um das Schloss gewinnbringend verkaufen zu können. Doch sämtliche Interessenten sprangen nach der eingehenden Besichtigung der Innenräume ab. Und so sucht die Berliner Senatsverwaltung für Finanzen noch immer nach einem Käufer. Ste.

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