Fauna : Brandenburg besteht den Elchtest

Die größten Hirsche der Welt sind in die Mark zurückgekehrt. Ob sie auf Dauer heimisch werden, ist jedoch noch unklar.

Sandra Dassler
Elch
Am 2. September wurde ein junger Elchbulle im Nationalpark Unteres Odertal gesichtet. -Foto: promo

Beeskow/Schwedt - Nach den Wölfen sind nun auch offenbar auch die Elche nach Brandenburg zurückgekehrt. Am Montag wurde südlich von Beeskow ein mächtiger Bulle gesichtet. Und bereits am 2. September war nach Informationen des Tagesspiegels ein Elch im Nationalpark Unteres Odertal bei Schwedt beobachtet worden. Dem Jäger René Kunert, der auf seinem Jagdsitz eigentlich Ausschau nach Rehen und Wildschweinen hielt, gelang es sogar, ein Foto von dem Tier zu schießen.

„Es ist ein junger Elchbulle“, sagt Dirk Treichel, der Leiter des Nationalparks: „Er muss ungefähr drei Jahre alt sein, denn man kann bereits die Ansätze des Schaufelgeweihs erkennen. Bei jüngeren Bullen ist der Geweihansatz noch gerade und sieht aus wie ein Fahrradlenker.“

Auch im vergangenen Jahr seien mindestens zwei Elche durch den Nationalpark gewandert, sagt Treichel. Eines der Tiere musste leider erschossen werden: „Es war offenbar angefahren worden, litt an einer Bakterieninfektion.“ Da Elche in Deutschland ganzjährige nicht geschossen werden dürfen, erließ die zuständige Jagdbehörde eine Sondergenehmigung, um das kranke Tier zu erlösen.

Elche sind mit bis zu 2,30 Meter Schulterhöhe und 450 Kilo Gewicht die größten Hirsche der Welt. Am häufigsten kommen sie in Skandinavien, Russland und Polen vor. In Deutschland waren sie vor einigen hundert Jahren ebenfalls noch weit verbreitet, inzwischen gelten sie hier als ausgestorben. In Polen hingegen leben mehrere tausend Elche. Weil sie sich in den vergangenen Jahren stark vermehrten, werden sie dort wieder geschossen. „Möglicherweise weichen die Tiere deshalb nach Westen aus“, vermutet Jens-Uwe Schade, der Sprecher des brandenburgischen Umweltministeriums.

Dass einzelne Elche das Land durchqueren, ist nicht ungewöhnlich. Auch im Bayerischen Wald werden sie immer wieder beobachtet. Allein in diesem Jahr wurden dort bereits drei Tiere getötet, die sich zuvor bei Verkehrsunfällen verletzt hatten. In Brandenburg scheinen sich die Tiere allerdings inzwischen heimisch zu fühlen. Der am Montag bei Beeskow gesichtete Elchbulle ist nach Angaben der zuständigen Jagdbehörde nur einer von vier männlichen Tieren, die im Landkreis Oder-Spree zwischen Berlin und der polnischen Grenze leben. Hinzu kämen noch zwei Elchkühe und ein Kalb.

Das Landesumweltministerium wollte gestern Meldungen nicht kommentieren, wonach die Tiere in der Brunftzeit, die von August bis Oktober dauert, auch dem Menschen gefährlich werden können. Vorsicht sei in jedem Fall nicht verkehrt, sagte Sprecher Schade. Aus Skandinavien wird berichtet, dass Elchbullen in der Brunftzeit so aggressiv sind, dass sie auch Pferde, Autos oder gar Züge angreifen.

Ob die Elche auf Dauer in der Mark heimisch werden, sei noch nicht sicher, heißt es im Landesumweltministerium. Man werde die Tiere keinesfalls „künstlich“ nach Deutschland locken, sprich: hier ansiedeln. Einen solchen Versuch hat es in der Geschichte bereits gegeben. Nazi-Reichsjagdminister Hermann Göring brachte Mitte der dreißiger Jahre Elche in die Schorfheide – wahrscheinlich nicht, um sie zu schützen, sondern um sie zu schießen.

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