Favorit mit Fehlstart : Frankreich - Rumänien 0:0: Gefahr nur durch Ribéry

Destruktive Rumänen, uninspirierte Franzosen. Das EM-Spiel zwischen beiden Teams endete torlos. Bayern Münchens Franck Ribéry musste auf ungewöhnlicher Position ran. Auch er brauchte einige Zeit, um ins Spiel zu kommen. Sein Team hat es nun schwer in der schwierigsten EM-Gruppe. Die nächsten Gegner sind Holland und Italien.

Ribery
Bester Mann. Franck Ribéry sorgte als einziger Franzose wenigstens ansatzweise für Gefahr vor dem rumänischen Tor.Foto: AFP

Vize-Weltmeister Frankreich hat als erster Titelanwärter einen Fehlstart in die Fußball-Europameisterschaft hingelegt: Ausgerechnet Außenseiter Rumänien erschwerte der „Équipe tricolore“ mit einem trostlosen 0:0 das Überleben in der schwierigsten EM-Gruppe C. Der zweimalige Europameister zeigte am Montag vor 30585 Zuschauern im Letzigrund Stadion in Zürich gegen erwartet defensiv-destruktiv zu Werke gehende Rumänen eine enttäuschende Leistung und blieb den Favoriten-Nachweis auf ganzer Linie schuldig. Die Mannschaft von Trainer Raymond Domenech, in der einzig von Bayern Münchens Franck Ribéry Gefahr ausging, steht damit am Freitag in Bern gegen die Niederlande schwer unter Druck.

Wenig Finesse, viel Tristesse: Die Franzosen dominierten zwar das Heft von Beginn an, doch von Fußball-Kunst konnte keine Rede sein gegen dicht gestaffelte Rumänen. Bayern-Ballzauberer Ribéry musste auf die ungeliebte rechte Seite ausweichen. Die Folge: Der Super-Techniker fand lange Zeit keine Bindung zum Spiel, aus Frust wechselte er schon mal auf seine Lieblingsseite nach links. Und prompt sorgte er für Gefahr. Allerdings konnte Nicolas Anelka, der mit Frankreichs Fußballer des Jahres, Karim Benzema, das Sturmduo bildete, den Ball in der 33. Minute per Kopf aus sieben Metern nicht im Tor unterbringen.

Auf den noch angeschlagenen Goalgetter Thierry Henry (Gesäßmuskelzerrung) hatte Trainer Raymond Domenech in der Startformation verzichtet. Dafür hätte fast Mittelfeldmann Florent Malouda Torjägerqualitäten bewiesen. Allerdings rettete der aus seinem Kasten geeilte Rumänen-Keeper Bogdan Lobont vor dem ansonsten schwachen Profi vom FC Chelsea (17.).  Und was bot Rumänien, das zuletzt im April 1972 gegen Frankreich gewonnen hatte? Zumindest eine gut organisierte Defensive, durch die die Équipe tricolore keinen rechten Weg fand.

In vorderster Front vertrauten die Osteuropäer von Trainer Victor Piturca Adrian Mutu, der in der EM-Qualifikation sechs Treffer erzielt hatte. Sei es ob der jüngsten Schlagzeilen über eine drohende 12-Millionen-Euro-Geldbuße, die er nach einem Kokain-Vergehen als Entschädigung an seinen ehemaligen Club FC Chelsea zahlen soll, oder ob der ebenfalls starken Franzosen-Abwehr: Zählbares leistete Mutu nicht, er räumte vorzeitig das Feld. Die einzige Chance der ersten Hälfte ging auf das Konto von Daniel Niculae mit einem Distanzschuss. Aber keine Gefahr für Gregory Coupet.

Das Geduldsspiel ging auch nach der Pause weiter. Die Franzosen, bei denen Liliam Thuram in Vertretung endgültig bis zum EM im Kader befindlichen Patrick Vieira (Oberschenkelprobleme) mit seinem 15. EM-Einsatz nun kontinentaler Rekordhalter ist, gerierten nun aber sogar richtig unter Druck, nachdem Malouda (49.) in seiner besten Aktion nach schönem Dribbling knapp daneben gezielt hatte. Die Defensive mit Bayerns Abwehrmann Willy Sagnol wurde nun mehr gefordert, auch wenn Torchancen erneut nicht zustande kamen.

Für Entlastung sorgte dann aber wieder ein anderer Wahl-Münchner: Ribéry setzte sich auf dem rechten Flügel durch, passte maßgerecht nach innen, der dort lauernde Benzema schob mit der Innenseite den Ball aber in die Arme von Lobont (57.). Der Offensivmann mit algerischen Wurzeln wie der einstige Franzosen-Star Zinedine Zidane zielte auch sieben Minuten später nicht genau genug. Auch mit der Auswechslung beider Stürmer und der Herreinnahme von Bafetimbi Gomis und Samir Nasri gelang den Franzosen nicht mehr der erhoffte Coup. (dpa)