FC Bayern München : Hoeneß vom "Jagdfieber" geschafft

Auch ein Manager hat mal Urlaub. Bayern-Manager Uli Hoeneß ist nach der Jagdsaison geschafft und gönnt sich ein paar freie Tage, auch wenn der Klose-Transfer noch nicht eingetütet ist.

Uli Hoeness
Nach der Jagdsaison: Uli Hoeneß ist urlaubsreif.Foto: ddp

MünchenUrlaub! Nach Kräfte raubenden Wochen verabschiedete sich auch Manager Uli Hoeneß endlich in die Ferien. "Mein Akku ist jetzt ziemlich leer", gestand der Chefeinkäufer der Münchner Transferoffensive. "Es war eine heftige Zeit mit wenig Schlaf. Meine Frau hat mich fast gar nicht gesehen in letzter Zeit." Stolz trat der Manager des deutschen Fußball-Rekordmeisters Bayern München nach seiner Shopping-Tour "kreuz und quer durch Europa" nun die erholsamen Tage in Südfrankreich an. Mit einem Weltmeister (Luca Toni), einem Vize-Weltmeister (Franck Ribéry) und zwei deutschen Nationalspielern (Jan Schlaudraff/Marcell Jansen) konnte sich die Erfolgsbilanz sehen lassen - wenngleich Hoeneß dazu nach 28 Jahren Amtszeit auch von der gewohnten Investitions-Strategie abwich und sich auf ungewohntes Terrain begab.

"Management heißt learning by doing, man muss sich an die Situation anpassen. Wenn man mit dem gegebenen Material nicht die Ziele erreicht, die man sich gesteckt hat, muss man neue Wege gehen", erklärte der Manager des Jahres 1999. Mit einer vorsichtigen Einkaufspolitik hatten Hoeneß & Co. bis auf den knapp 20 Millionen Euro teuren Treffer bei Roy Makaay bislang das international übliche Risiko gescheut, nun haben sie zugelangt wie nie und warfen "Tabus über Bord". Vorstandskollege Karl-Heinz Rummenigge, der maßgeblich am Toni-Einkauf beteiligt war, wickelt nach seiner Rückkehr aus dem Urlaub die weiteren Transfers im Beutezug ab.

Hoeneß: Es sind Wunden geblieben

"Es ist zum Schluss ein richtiges Jagdfieber entstanden", beschrieb der 55-jährige Hoeneß, der gerade beim Buhlen um den 25 Millionen Euro teuren Rekordtransfer Ribéry besondere Geschütze auffuhr. "Ich habe Willy Sagnol als Waffe eingesetzt und Bixente Lizarazu." Unbedingt wollte Hoeneß Weltstars an die Isar holen - und damit auch die Kritiker Lügen strafen.

"Da sind sicher Wunden geblieben. Es sind Dinge passiert, die ich nicht für möglich gehalten hätte", klagte der Bayern-Macher. "Ich werde da gewiss nachtragend sein - zum Teil ging es unter die Gürtellinie." In der neuen Saison wollen die Münchner auch deshalb nicht nur Titel holen, sondern am liebsten die Bundesliga-Konkurrenz demütigen. Allerdings ist das Risiko auch groß, ein Scheitern hätte wohl Hohn und Spott zur Folge.

Kann man Erfolg kaufen?

Vor mehr als einem Jahrzehnt hatte der FC Bayern schon einmal einen Traumkader zusammen mit Spielern wie Lothar Matthäus, Jürgen Klinsmann, Mehmet Scholl, Ciriaco Sforza oder Thomas Helmer. Der Erfolg stellte sich nicht ein, dafür gab es Zickereien beim "FC Hollywood". "Garantien für Erfolg gibt es nicht", weiß auch Hoeneß. "Du kannst nichts planen. Du kannst nur nach bestem Wissen und Gewissen eine Mannschaft zusammenstellen. Jetzt hängt es vom Trainer und seiner Mannschaft ab."

Hoeneß, der voraussichtlich noch bis 2009 auf dem Manager-Sessel sitzt und danach wohl das Präsidentenamt übernimmt, weiß, dass auch er an den Erfolgen der neuen Mannschaft gemessen wird. Doch die Vorfreude auf den Saisonstart überwiegt. "Ich bin zum ersten Mal seit langem richtig gespannt auf die neue Saison. Es ist so eine Aufbruchstimmung entstanden", erklärte er - und brach aber erst einmal in die Ferien auf. (von Christian Kunz, dpa)