FC Hollywood : Hitzfeld warnt vor "Irrenhaus"

Die Bayern-Stars müssen sich warm anziehen. Mit der Suspendierung von Oliver Kahn hat Bayern-Coach Ottmar Hitzfeld ein Warnschuss abgegeben. Doch wie bekommt er das Team in den Griff?

Klaus Bergmann[dpa]
Hitzfeld
Not amused. Bayern Coach Ottmar Hitzfeld fehlt die Disziplin in seiner Mannschaft. -Foto: ddp

München Ottmar Hitzfeld verteidigt seine "drakonische Strafe" für Oliver Kahn als unverzichtbare Maßnahme, mit der er zugleich die gesamte Mannschaft des FC Bayern München disziplinieren will. "Ich musste reagieren und ein Zeichen setzen", sagte Hitzfeld. "Ich habe lange zugeschaut. Wir müssen das unterbinden, sonst haben wir hier ein Irrenhaus." Der 58-Jährige will, in der Winterpause "einen Verhaltenskodex" für seine Profis aufstellen: "Das ist mir ein Bedürfnis."

Zudem versicherte Hitzfeld, dass die Suspendierung von Stammtorhüter Kahn für das Bundesliga-Hinrundenfinale am Samstag bei Hertha BSC sowie die Geldstrafe von 25.000 Euro nicht auf Druck der Vereinsführung verhängt wurde. "Ich habe den Vorstand informiert. Ich muss auch Rückendeckung haben. Insofern war das abgesegnet", erklärte Hitzfeld.

Warnsignal an die Mannschaft

Kahns Bestrafung soll ein deutliches Warnsignal sein, nachdem interne Vorfälle und Disziplin-Verstöße in der jüngeren Zeit "Überhand genommen" hätten. "Es war vor allem ein Zeichen nach innen, dass jeder Spieler weiß, wir müssen eine verschworene Truppe sein", erläuterte Hitzfeld: "Wir brauchen Vorbilder." Bei Kahn, der heute wegen "starker Rückenbeschwerden" nicht am Training teilnahm, musste der Coach offensichtlich auch durchgreifen, um einem Autoritätsverlust vorzubeugen. "Wen sollte man intern zur Disziplin aufrufen, wenn nicht den Kapitän", meinte Hitzfeld. Hintergrund: Kahn war vorzeitig von der Weihnachtsfeier verschwunden und hatte seine Kollegen Franck Ribéry und Luca Toni brüskiert.

Das wog bei Hitzfeld wohl zu schwer, um es zu ignorieren. "Oliver hat eine Vorbildfunktion, an ihm orientieren sich andere Spieler. Das ist entscheidend für mich. Es kann nicht sein, dass ein Kapitän frühzeitig die Weihnachtsfeier verlässt, was nicht abgesprochen war", erläuterte der Coach, der sich zu den näheren Umständen sowie Kahns Beweggründen nicht äußern wollte. Mark van Bommel musste an Kahns Stelle die Rede halten, die traditionell dem Kapitän vorbehalten ist. Zudem missfielen Hitzfeld einige Aussagen Kahns in einem "kicker"-Interview. "Man kann Mitspieler nicht öffentlich kritisieren", sagte der Coach.

Kahn bleibt Leitwolf

Nach der Sperre und Geldstrafe will Hitzfeld den Team-Senior aber in seiner letzten Saison nicht noch weiter schwächen. Kahn bleibe Kapitän, und der 38-Jährige werde auch am kommenden Mittwoch im Uefa-Pokal-Spiel gegen Aris Saloniki wieder im Tor stehen. "Ich will ihn weiter in einer starken Position haben", erklärte der Coach.

Ein Knigge für die Profis soll gewährleisten, dass die unterschiedlichen Verhaltensweisen in einem Multi-Kulti-Kader auf eine Linie kommen. "Die Mannschaft ist noch in der Entwicklung. Wir müssen sehen, dass wieder Ruhe einkehrt. Wir können uns keine Nebenkriegsschauplätze leisten", betonte Hitzfeld.