Fedcup : DTB-Team rutscht in Favoritenrolle

Nach der Absage von mehreren japanischen Tennisspielerinnen stehen die Chancen für das deutsche Team gut die nächste Runde im Fedcup zu erreichen. Anna-Lena Grönefeld spielt dabei eine besondere Rolle.

Wolfgang Müller[dpa]
Groenefeld
Neue Rolle: Anna-Lena Grönefeld soll die Mannschaft anführen. -Foto: ddp

Toyota/Hamburg Ein Jahr nach dem Sturz in die "Zweite Liga" darf das junge deutsche Fedcup-Team gegen eine B-Auswahl Japans auf den Aufstieg hoffen. "Wir dürfen jetzt nicht zu laut schreien, aber unter diesen Umständen haben sich die Vorzeichen verändert. Wir haben jetzt eine Riesenchance, in die Weltgruppe I zurückzukehren", sagte Bundestrainerin Barbara Rittner. Ihr japanischer Kollege Minoru Ueda verzichtet im Relegationsspiel an diesem Wochenende nämlich auf seine Spitzenspielerinnen Ai Sugiyama (30. der Weltrangliste), Aiko Nakamura (57.) und Akiko Morigami (60.).

Damit ist "Rittners Rasselbande" ("tennismagazin") auch ohne die derzeit beste deutsche Tennisspielerin Martina Müller urplötzlich zum Favoriten aufgestiegen und könnte mit einem Sieg in der Sky Hall von Toyota in die Elite der acht besten Teams der Welt zurückkehren. Trotz sportlicher Krise und dem Psycho-Krieg mit ihrem früheren Trainer Rafael Font de Mora will auch Anna-Lena Grönefeld ihren Teil dazu beitragen. "Vielleicht kann ich sie etwas aufbauen, wenn ich sie eine Woche lang in der Mannschaft habe", sagte Rittner.

Grönefeld soll das Team führen

Zwar sind mittlerweile die drei 19-Jährigen Angelique Kerber (73.), Tatjana Malek (93.) und Andrea Petkovic (103.) allesamt in der Rangliste besser notiert als Grönefeld (140.), doch die 22-Jährige soll mit ihrer Erfahrung das Team wie schon beim 4:1-Erfolg im Play-off-Duell gegen Kroatien im April anführen. Immerhin ist Grönefeld immer noch sechs Ränge besser notiert als die beste japanische Spielerin Erika Takao (146.). Das Quartett der Gastgeber komplettieren Ayumi Morita (156.), Tomoko Yonemura (236.) und Rika Fujiwara (490.).

Seit Sonntag bereitet sich das Team des Deutschen Tennis Bundes (DTB) in Toyota auf die wichtige Partie vor. "Alle Spielerinnen sind fit, unsere Vorbereitung läuft absolut nach Plan", sagte DTB-Sportdirektor Klaus Eberhard nach den ersten Trainingseinheiten auf dem schnellen Taraflex-Teppichbelag in der 5000 Zuschauer fassenden nagelneuen Halle. Auch die Bilanz macht Mut: Beide Teams trafen im Fedcup bislang sechs Mal aufeinander, fünf Mal gewann Deutschland.

USA ohne Serena Williams

Allerdings ist das DTB-Team gewarnt: Im April 2006 waren Grönefeld, Müller & Co. in der Erstrunden-Partie der Weltgruppe I gegen eine ersatzgeschwächte Equipe der USA ebenfalls in der Favoritenrolle - und verloren in Ettenheim mit 2:3. Die Amerikanerinnen kämpfen am Samstag und Sonntag in Stowe im Bundesstaat Vermont gegen Russland ebenso um den Einzug ins Endspiel wie im zweiten Halbfinale Titelverteidiger Italien gegen Frankreich.

Dabei muss das US-Team höchstwahrscheinlich auf die verletzte Serena Williams verzichten. Die Australian-Open-Siegerin sagte bereits ihre Teilnahme am Turnier in Cincinnati in der kommenden Woche ab und wird daher wohl kaum am Wochenende einsatzbereit sein. Ein offizielles "Nein" liegt bislang allerdings nicht vor. Dagegen hat die Absage von Maria Scharapowa bereits für reichlich Ärger bei den Russinnen gesorgt. "Sie hatte nie die Absicht, im Fedcup zu spielen. Sie wollte nur nominiert werden, damit sie bei Olympia teilnehmen kann", kritisierte die frühere Spielerin Anna Dmitrijewa. "All ihre Versprechen kann man vergessen", hieß es in russischen Zeitungen. Bereits für das Viertelfinale gegen Spanien hatte Scharapowa wegen einer Verletzung kurzfristig abgesagt. (mit dpa)