Der Tagesspiegel : Feiern, schön und gut

Bernhard Schulz über den dritten „Unesco-Welterbetag“

Goslar ist sicher zu Recht auf der Unesco-Liste des Weltkulturerbes verzeichnet. Über eintausend Jahre lang wurde das Erzbergwerk Rammelsberg ohne Unterbrechung betrieben, Grundlage des Wohlstandes der Stadt, die bereits im 11. Jahrhundert zur Kaiserpfalz erhoben wurde. Vor 15 Jahren vergab die Unesco den begehrten Titel an die Westharz-Kommune, und dieses halbwegs runde Datum ist Anlass, den dritten deutschen „Unesco-Welterbetag“ am morgigen Sonntag zentral in Goslar zu begehen. Die lokale Marketinggesellschaft rührt denn auch eifrig die Werbetrommel und preist die Vorzüge der Kaiserstadt. Die eigene Vergangenheit, um deren Bewusstmachung es doch geht, bleibt dabei freundlich getönt. Kein Wort darüber, dass Goslar noch 1819 seinen hochbedeutenden, 800 Jahre alten Kaiserdom verlor, der achselzuckend als baufällig abgerissen wurde.

Von den übrigen 31 deutschen Welterbestätten ist schon gar nicht die Rede. Der Blick auf die Mitteilungen der Deutschen Unesco- Kommission, dem eigentlichen Veranstalter des Festtages, hilft kaum weiter: auch da nur eitel Sonnenschein. Allüberall an den deutschen Welterbestätten, von Bamberg über Bremen bis Stralsund oder Wismar, werden Stadtführungen angeboten, Vorträge und Musik. Dresden allerdings wird nicht genannt – steht die Stadt (samt dem Land Sachsen) nicht heftig in der Kritik, weil die Politik störrisch am Bau einer landschaftszerstörenden Brücke festhält?

Statt Feste zu feiern, die mit ihrem touristischen Allerweltsprogramm zu jedem beliebigen Anlass passen, hätten die deutschen Welterbestätten über den Tellerrand des Marketings hinaus die Probleme ins Auge fassen müssen, die mit der Annahme des Unesco-Titels verbunden sind. Am Bewusstsein dafür mangelt es. „Welterbe“ meint eben nicht bloß ein Etikett zur Tourismusförderung, sondern die Pflicht zur Pflege eines universellen Erbes, eines allen Menschen zugehörenden Kulturgutes. Große Worte – nur wer sie nicht hören mag, darf sich über die inzwischen höchst aufmerksame Unesco nicht beklagen. Dresden hat die Lektion noch vor sich, die die vom Konfliktkurs schließlich abgekommenen Städte Köln oder Potsdam bereits haben lernen müssen. Danach, bitte, mag gefeiert werden.