Fernsehauftritt : Reumütiger Ackermann erklärt die Finanzkrise

Der Chef der Deutschen Bank, Josef Ackermann, räumte gestern bei einem Fernsehauftritt eigene Fehler im Zuge der Bankenkrise ein. Büßen müssen das allerdings seine Mitarbeiter, deren Zahl nicht erhöht wird. Außerdem stehen Kreditvorhaben von rund 30 Milliarden Euro auf dem Prüfstand.

Josef Ackermann
Josef Ackermann gibt Fehler zu. -Foto: dpa

In einem Fernsehauftritt hat der Chef der Deutschen Bank, Josef Ackermann, Fehler in seinem Hause zugegeben. Der sonst weitaus weniger zurückhaltende Manager erklärte bei der Aufzeichnung der ZDF-Sendung "Maybrit Illner" dem Fernsehpublikum brav die derzeitige Krise an den internationalen Finanzmärkten. Sein Haus habe nicht von der Schieflage der IKB profitiert und dieser keine Kredite aufgedrängt. Zudem könne man eine Bank als Geschäftspartner nicht wie Privatkunden über die Risiken aufklären. Erstaunlich war das Eingeständnis: "Auch die Deutsche Bank hat Fehler gemacht, auch in dieser Krise". Die Mitarbeiter der Deutschen Bank werden daher auch erst mal nicht wie geplant aufgestockt. Die Börse hat Ackermann seine Äußerungen am Morgen übel genommen. Im Xetrahandel gab das Papier um mehr als drei Prozent nach und liegt derzeit 91,32 Euro.

Der Vorstandsvorsitzende rechnet mit einer Belastung des Ergebnisses im dritten Quartal, weil Kreditversprechen für große Zukäufe im Umfang von 29 Milliarden Euro neu bewertet werden müssten. Die geplante Aufstockung des Personals sei daher gestoppt. Die Deutsche Bank habe geplant, die Zahl der Mitarbeiter von derzeit 76.000 noch in diesem Jahr auf 80.000 anzuheben. "Das werden wir wahrscheinlich jetzt nicht tun, weil die Märkte das so nicht hergeben."

Verdienste der Deutschen Bank an der IKB "unklar"

Wieviel die Deutsche Bank an der Krise der deutschen Mittelstandsbank IKB verdient habe, wisse er nicht, sagte Ackermann weiter. "Klar ist, dass wir der IKB wie allen anderen Produkte verkauft haben. Das ist ja unser Geschäft." Diese Produkte seien auch sehr gut gewesen. "Da hat man sehr viel Geld verdient über lange Zeit." Die Deutsche Bank habe dabei aber nicht mit Nachdruck auf die Risiken hingewiesen, sagte Ackermann. Bei Privatkunden sei es "Teil der Beratung", vor finanziellen Schwierigkeiten zu warnen. Bei Banken als Kunden sei dies schwierig, weil diese eigene Aufsichtsorgane und ein eigenes Management hätten. "Zu sagen, um Himmels Willen, Sie gehen da ein bisschen zu weit - ich glaube, wir würden damit nicht gerade viele Freunde gewinnen."

Vorwürfe, die Deutsche Bank habe von der Schieflage der IKB durch Spekulationen der eigenen Investmentbanker profitiert, wies Ackermann aber zurück. Weitere Gefahren für deutsche Banken sieht der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank nicht. Er gehe davon aus, "dass hier keine größeren Zeitbomben ticken" und glaube, dass jetzt alle größeren Risiken transparent gemacht worden seien. Die IKB sei "kein Systemproblem Deutschlands", sondern ein Einzelfall. Er hoffe, "dass die Märkte sich wie immer normalisieren". (mit AFP)