Der Tagesspiegel : Filmideen fürs Computerspiel Branchenprimus schafft 80 Arbeitsplätze

Claus-Dieter Steyer

Potsdam - Sie brauchen keine Schauspieler oder teuren Studios, keine spektakulären Außenaufnahmen, dafür aber pfiffige Drehbuchschreiber: die Produzenten von Computerspielen. Mit der Firma Ascaron verkündete gestern der deutsche Branchenprimus die Ansiedlung einer Tochterfirma in Potsdam. „Ausschlaggebend war für uns die Medienkompetenz in Babelsberg“, sagte Geschäftsführer Holger Flöttmann. „Allein die Filmhochschule steckt voller Talente.“ Dazu käme die Nähe zu den Universitäten in Potsdam und Berlin und zur privaten Filmhochschule für digitale Produktionen in Elstal. Vorerst plant Ascaron, dessen Spiel „Sacred“ 2004 die deutschen Verkaufslisten anführte, die Beschäftigung von 25 Informatikern, Grafik-Designern und anderen Spezialisten. In zwei bis drei Jahren will das Gütersloher Unternehmen bis zu 80 Jobs schaffen.

„Software-Entwickler sitzen meistens allein im stillen Kämmerlein und zaubern eine phantastische Welt auf die Bildschirme“, erklärt der Potsdamer Niederlassungschef Bernhard Ewers. „Aber sie brauchen natürlich Ideen für Handlungsabläufe, überraschende Wendungen und anspruchsvolle Szenen.“ Deshalb werde so viel Wert auf professionelle Autoren und Regisseure gelegt, an denen in Potsdam kein Mangel herrsche. Auch die schon vor längerer Zeit fertig gestellten Produktionen kämen immer wieder auf den Prüfstand. Eine weitere Aufgabe der Potsdamer Filiale bestünde in der Qualitätssicherung von neuen Entwicklungen.

Brandenburg versüßte den Güterslohern den Weg nach Potsdam mit „einer beachtlichen finanziellen Unterstützung“, wie Wirtschaftsminister Ulrich Junghanns (CDU) formulierte. Genaue Angaben machte er nicht. Aber um Ascaron hätten sich mehrere Städte beworben. Brandenburg hofft auf viele Nachfolger in dieser Wachstumsbranche. Schon 2003 wurde mit Computerspielen weltweit mehr Geld verdient als mit Spielfilmen. Der Umsatz wächst jährlich um 16 Prozent. „In Deutschland begeistern sich 1,5 Millionen Menschen an Computerspielen, fast genauso viele loggen sich für Spiele ins Internet ein“, erklärt Petra Müller, Geschäftsführerin des Medienboards Berlin-Brandenburg. „Allerdings erhält diese computergestützte Spiele-Branche in Deutschland kaum eine staatliche Förderung, ganz im Unterschied zu Frankreich, China oder Südkorea.“ Das Medienboard versuche deshalb zusammen mit der Zukunftsagentur Brandenburg, Potsdam zum führenden Zentrum in Deutschland zu machen.

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