Der Tagesspiegel : Filmorchester Babelsberg: Viel Zuspruch, kein Geld

Kulturministerin will den Landeszuschuss ab Juni streichen. Abgeordnete wollen das Ensemble retten – aber andere Finanzquellen sind nicht in Sicht

Thorsten Metzner

Potsdam - Es hat die Musik für den Film „Schindlers Liste“ gespielt, ist mit „Rammstein“ und Bryan Adams aufgetreten und bereits für Konzerte während der Fußball-WM 2006 gebucht. Trotzdem hat Brandenburgs Kulturministerin Johanna Wanka (CDU) dem Deutschen Filmorchester Babelsberg die Zuschüsse ab 30. Juni 2005 gestrichen.

Seitdem reißen die Proteste nicht ab, wird nach Modellen gesucht, um das Aus des angesehenen und traditionsreichen Klangkörpers noch zu verhindern. So tagt am kommenden Dienstag erneut ein Runder Tisch mit Vertretern des Kultur- und Wirtschaftsministeriums Brandenburgs. Auch Wanka selbst sieht noch Chancen, dass der Fortbestand des Filmorchesters gesichert werden kann, wie sie am Sonnabend dem Tagesspiegel sagte. „Wir suchen nach Lösungen, nach weiteren Partnern.“ Es bleibe aber dabei, dass Brandenburg als alleiniger Finanzier des renommierten Klangkörpers überfordert wäre. Wanka sprach sich deshalb erneut für eine Beteiligung Berlins an dem Orchester aus, „das wäre ein wichtiges Signal“. Bislang hatten Berlin, aber auch der Bund eine Mitfinanzierung des Orchesters allerdings abgelehnt.

In den jüngsten Sparbeschlüssen des Kabinetts für den Haushalt 2005/2006 hatte Wanka entschieden, dass die bisherige Jahresförderung von 750 000 Euro für das Filmorchester ab Juni 2005 komplett eingestellt wird. „Wir müssen 800 000 Euro einsparen, bei frei verfügbaren Kulturmitteln von 13 Millionen Euro“, so Wanka. Sie habe sich deshalb zu dem Schnitt an nur einer Stelle entschlossen. „Die Alternative wäre das Aus für viele freie Theater oder Projekte gewesen“, sagt Wanka. Inoffiziell wird der Entschluss im Ministerium aber auch damit begründet, dass für das Filmorchester im Gegensatz zu anderen Kulturprojekten möglicherweise alternative Finanzierungsstrukturen gefunden werden können – gerade weil es so gut sei.

Doch gerade deshalb ist auch die Empörung über die Einstellung der Landesförderung besonders groß. „Kein anderes Orchester bringt so viel Leistung bei so geringen staatlichen Zuschüssen“, sagt etwa die SPD-Abgeordnete Martina Münch, Vorsitzende des Landtags-Kulturausschusses, der sich einstimmig für die Erhaltung des Orchesters ausgesprochen hat und am kommenden Mittwoch erneut über dessen Schicksal beraten will. „Ich gehe davon aus, dass Wanka eine Lösung findet.“ Tatsächlich ist das Filmorchester Babelsberg mit seinen 70 Beschäftigten das Orchester Brandenburgs, das mit den geringsten Subventionen auskommt. Dem jährlichen Landeszuschuss von 750 000 Euro stehen eigene Einnahmen in gleicher Höhe gegenüber – durch die Beteiligung an rund 30 nationalen und internationalen Filmproduktionen, durch 50 bis 70 Konzerte in der ganzen Republik jedes Jahr. Die öffentliche Förderung je Besucher betrug beim Filmorchester 13 Euro – beim Staatsorchester Frankfurt (Oder) sind es rund 147 Euro. Dass ausgerechnet Brandenburgs flexibelstes Orchester dafür bestraft wird, dass es keine institutionelle Dauerförderung hat, ist daher nicht nur für den Kulturausschuss unvorstellbar.

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