Finale der Berlinale : Goldener Bär für peruanischen Film "La Teta Asustada"

Bis zum Schluss blieb es spannend. Jurypräsidentin Tilda Swinton und der Leiter der Berlinale Dieter Kosslick übergaben den Goldenen Bären an die peruanische Regisseurin Claudia Llosa. Auch bei den beliebten Silbernen Bären gab es überraschende Gewinner.

Claudia Llosa
Die Regisseurin Claudia Llosa (r.) freut sich über den Goldenen Bären, den ihr Berlinale-Jury-Präsidentin Tilda Swinton (l.)...Foto: dpa

BerlinDer Goldene Bär der 59. Berlinale geht an den peruanischen Film "La Teta Asustada" ("Die Milch des Leids"). Das teilte die internationale Jury der Internationalen Filmfestspiele Berlin am Samstagabend mit. Die 32-jährige Regisseurin Claudia Llosa erzählt in dem Film von einer jungen Frau, die an den Folgen des Jahre zurück liegenden Terrorsystems in Peru leidet.

Der Andenstaat hatte zum ersten Mal am Berlinale-Wettbewerb teilgenommen und gewann nun auf Anhieb den Hauptpreis. Die Regisseurin sagte, der Preis sei eine große Ehre. "Das ist für Peru, für unser Land", rief Llosa freudestrahlend. Zum zweiten Mal in Folge gewann damit ein Film aus Lateinamerika. 2008 hatte "Tropa De Elite" (Elite-Einheit) des Brasilianers José Padilha den Goldenen Bären bekommen.

Es ist der zweite Spielfilm der Nichte des Schriftstellers Mario Vargas Llosa. Der Film beeindruckt besonders durch seine stilistische Strenge, ruhige Bilder, wenig Dialoge und den Gesang von Fausta, mit dem sie gegen ihr Leid ankämpft. Gleichzeitig wird der Alltag der Ärmsten der Armen in Peru auch mit feinem Humor gezeigt. "Mir ist es wichtig, an die Frauen zu erinnern, die von der Gewalt überrollt wurden, und sie zu ehren. Denn über sie spricht so gut wie niemand in meiner Heimat Peru", sagte die Regisseurin.

Zwei Preise bekam ein deutscher Film: Einen Silbernen Bären als beste Darstellerin erhielt die österreichische Schauspielerin Birgit Minichmayr. Sie spielt die weibliche Hauptrolle in dem deutschen Beziehungsdrama "Alle Anderen". Der Film von Regisseurin Maren Ade wurde außerdem mit dem Großen Preis der Jury, einem Silbernen Bären, ausgezeichnet. Der Preis ging zu gleichen Teilen auch an "Gigante" von Adrián Biniez aus Uruguay.

Im Mittelpunkt steht Fausta, beeindruckend gespielt von Magaly Solier. Ihre Mutter wurde zur Zeit des Terrors durch die Guerilla-Organisation "Leuchtender Pfad" in den 80er und 90er Jahren ein Opfer von Vergewaltigung. Die nun erwachsene Tochter, zum Zeitpunkt des Gewaltaktes im Mutterleib, trägt psychisch schwer an den Folgen. Nach einem Volksglauben wird das Leid der Geschändeten über die Muttermilch an die Nachkommen weitergegeben. Tausende Menschen in Peru leiden an der "La Teta Asustada" genannten Krankheit, die Schwermut und Ängste auslöst, und für die die Wissenschaft noch keine schlüssige Erklärung hat.

Als bester Darsteller wurde der aus Mali stammende Sotigui Kouyate mit einem Silbernen Bären für seine Rolle in dem Drama "London River" geehrt. Der Preis für die beste Regie ging an den iranischen Filmemacher Asghar Farhadi für "Alles über Elly". Für das beste Drehbuch wurden Regisseur Oren Moverman und sein Mitautor Alessandro Camon für das US-amerikanische Anti-Kriegsdrama "The Messenger" geehrt.

Einen Silbernen Bären für eine herausragende künstlerische Leistung bekamen die Sounddesigner Gábor Erdélyi und Tamás Székely für ihre Arbeit an dem in den Karpaten spielenden Rache-Epos "Katalin Varga" von Peter Strickland (Großbritannien). "Gigante" erhielt auch die Auszeichnung als bester Erstlingsfilm und teilt sich zudem den Alfred-Bauer-Preis mit Andrzej Wajdas "Der Kalmus" aus Polen. (ml/dpa/ddp)