Finanzdesaster : Sachsen LB fieberhaft auf Partnersuche

Übernahme oder Verkauf unerwünscht: Die Sachsen LB braucht dringend einen Partner, um aus ihren finanziellen Schwierigkeiten durch die US-Immobilienkrise herauszukommen. Nur eine milliardenschwere Finanzspritze konnte sie vor dem Schlimmsten bewahren.

Dresden/LeipzigDie Suche nach einem Partner für die angeschlagene Sachsen LB geht unvermindert weiter. "Die Politik Sachsens läuft auf strategische Partnerschaften hinaus. Verkauf oder Übernahme sind nicht gewollt", sagte der Vorsitzende des Haushalts- und Finanzausschusses des Sächsischen Landtages, Ronald Weckesser (Linksfraktion). Die kleinste unter den deutschen Landesbanken war durch die US-Hypothekenkrise schwer ins Schlingern geraten und konnte nur durch eine Milliarden-Rettungsaktion vor der Zahlungsunfähigkeit bewahrt werden.

Die Bank will nun rasch das Vertrauen der Märkte wiedergewinnen. Es gehe jetzt darum, "gemeinsam die weitere Entwicklungsperspektive der Sachsen LB zu sichern", hatte Sachsens Finanzminister und Verwaltungsratschef Horst Metz (CDU) nach einer Sitzung des Gremiums am Montagabend in einer Mitteilung betont. Der Vorstand der Bank hatte den Verwaltungsrat über die Situation unterrichtet.

Rettung an Bedingungen geknüpft?

Der Deutsche Sparkassen- und Giroverband (DSGV) sieht ebenfalls Handlungsbedarf. "Wenn die Lage sich beruhigt hat, werden wir mit den Eigentümern Gespräche über die Struktur der Sachsen LB führen", sagte ein DSGV-Sprecher. Ob die milliardenschwere Kreditlinie der Sparkassen-Finanzgruppe zur Rettung der Sachsen LB an eine Zusage geknüpft wurde, dass diese auf Partnersuche geht, blieb vorerst offen.

Wegen der US-Hypothekenmarktkrise war der von der Bank-Tochter Sachsen LB Europe (Dublin/Irland) gemanagte Fonds Ormond Quay in Bedrängnis geraten. Die Sparkassen-Finanzgruppe stellte eine Kreditlinie von 17,3 Milliarden Euro bereit. Mit den Vorgängen um die Bank will sich der Haushalts- und Finanzausschuss des Landtages bei einer Sondersitzung am 29. August befassen.

Keine Ausschüttungen für die Anteilseigner

Am Montag hätten sich bei einer Anteilseignerversammlung die Kommunen tief enttäuscht gezeigt, sagte Weckesser, der für die Stadt Dresden in dem Gremium sitzt. Für sie werde es in diesem Jahr voraussichtlich keine Ausschüttungen geben. "Die sind zumeist aber fest im Haushalt eingeplant", sagte Weckesser. Die Ausschüttungen seien hauptsächlich durch die Gewinne möglich geworden, die die Bank-Tochter durch ihr Engagement auf den internationalen Finanzmärkten erzielt habe.

Mit dem Geschäftsmodell sollte zusätzliches Geld ins Land gepumpt werden. "Solange das sprudelte, waren alle glücklich und zufrieden", sagte der Finanzexperte. Man müsse nun überlegen, ob strategisch künftig solche Risikogeschäfte noch gewollt seien oder ob es besser sei, auszusteigen.

"Wir dachten, alle Hausaufgaben sind gemacht"

Für Sachsen sehe er keine Finanzkrise. Die Partner-Suche für die Sachsen LB habe allerdings einen Rückschlag erlitten. Die WestLB als Top-Kandidat sei selbst in Skandale verwickelt. In Bezug auf die Sachsen LB "dachten wir, alle Hausaufgaben sind gemacht", sagte Weckesser. "Dublin hat uns wieder zurückgeworfen." Die Agentur Standard & Poor's habe die Bank vom besten Rating wieder heruntergestuft. Jetzt gehe es darum, so schnell wie möglich wieder Tritt zu fassen.

Unterdessen forderten die Grünen im nordrhein-westfälischen Landtag eine schnelle Entscheidung über eine enge Zusammenarbeit der WestLB mit der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW). Zunächst müsse eine Holding gebildet werden, der sich auch andere Landesbanken anschließen könnten, sagte der Parlamentarische Geschäftsführer Johannes Remmel. Der zweite Schritt könne dann eine Fusion sein. (mit dpa)