Finanzkrise : Käufer für US-Investmentbank Bear Stearns gesucht

Für die ins Trudeln geratene US-Investmentbank Bear Stearns wird fieberhaft ein Käufer gesucht. Bear Stearns und die beratende Bank Lazard hofften, bereits in den nächsten Tagen einen Interessenten zu finden

Stearns
US-Investmentbank in Not -Foto: dpa

New YorkVon der dringlichen Suche nach einem Investor, der Bear Stearns stützt hat am Samstag das "Wall Street Journal" unter Berufung auf informierte Kreise berichtet. Der Investmentbank war die Liquidität weitgehend ausgegangen und sie musste eilig vom Konkurrenten J.P. Morgan Chase und der regionalen Notenbank von New York finanziell gestützt werden.

Es sei noch völlig offen, ob Bear Stearns als Ganzes verkauft werden soll oder zuvor zerschlagen werden könnte, schrieb die Zeitung weiter. Bear Stearns hat vier Einheiten, die potenzielle Käufer interessieren könnten: Das Investmentbanking, den Aktien- und Anleihenhandel, den Clearing-Bereich sowie die Vermögensverwaltung. Vor allem die beiden ersten Sparten dürften angesichts der Finanzkrise wenig Interessenten finden. Zudem kämpfen große Konkurrenten unter den potenziellen Käufern derzeit zumeist mit eigenen großen Problemen. Auch der Verkauf des Bankgebäudes im Herzen New Yorks könnte eine Option sein - es könnte nach Schätzungen mehr als eine Milliarde Dollar wert sein.

Prominentes Opfer der Finanzkrise

Bear Stearns ist die kleinste der fünf großen New Yorker Investmentbanken und das bisher prominenteste Opfer der Finanzkrise. Tagelange Gerüchte über eine schlechte Finanzlage der Bank dürften dazu beigetragen haben, dass sie keine kurzfristigen Kredite mehr auf dem Interbankenmarkt mehr bekam. Bear-Stearns-Chef Alan Schwartz sagte, angesichts der Spekulationen habe sich die Liquidität der Bank in den vergangenen 24 Stunden drastisch verschlechtert.

Die Aktien von Bear Stearns brachen am Freitag um 45,88 Prozent auf 30,85 Dollar ein. Der Finanzchef der Bank, Sam Molinaro, hatte am Freitag gesagt, alle Werte der Bank dürften einem Preis in der Region von 80 Dollar je Aktie entsprechen. Diese Diskrepanz dürfte einen Verkauf der Bank als Ganzes nicht gerade erleichtern.

J.P. Morgan kündigte am Freitag an, man wolle Bear Stearns in den vier Wochen zu einer dauerhaften Sicherung der Liquidität verhelfen. Der größere Konkurrent wird Geld von der Notenbank beziehen und es an Bear Stearns für 28 Tage weiterverleihen. Es ist das erste Mal in der Finanzkrise, dass eine Bank der Top-Liga so schwer getroffen ist, dass sie Rettungsmaßnahmen braucht. (dm/dap)