Finanzkrise : US-Notenbankchef Bernanke hofft auf Ende des Abschwungs

Der Chef der US-Notenbank, Ben Bernanke, hat seine Einschätzung bekräftigt, dass ein Ende der schweren Rezession in den USA bereits in diesem Jahr möglich ist. Allerdings brauche es politischen Willen, um die Probleme des Finanzsystems zu beseitigen.

Washington "Nächstes Jahr werden wir dann eine Erholung erleben", sagte der Zentralbankchef in einem am Sonntagabend (Ortszeit) ausgestrahlten Interview des US-Fernsehsenders CBS. Die Gesundung der Wirtschaft hänge jedoch von einer Stabilisierung des Finanzsystems ab, betonte er. Als größtes Risiko für die Erholung der Wirtschaft und der Finanzbranche nannte er mangelnden politischen Willen, die Probleme anzugehen.

"Eine Erholung wird sich nicht einstellen, solange sich Finanzmärkte und Banken nicht stabilisieren", sagte Bernanke in dem laut CBS ersten Fernsehinterview eines amtierenden US-Notenbankchefs seit 20 Jahren. Dank der Maßnahmen der Federal Reserve gebe es aber in einigen Märkten bereits "grüne Sprösslinge" der Erholung. "Wir werden nicht zur Vollbeschäftigung zurückkehren", sagte er. "Aber wir werden, so hoffe ich, das Ende dieses Abschwungs erleben, der über die vergangenen Quartale so kräftig gewesen ist."

US-Leitzins fast bei Null Prozent

Der mächtigste Zentralbanker der Welt warb um Geduld, bis sich die Wirkung der Regierungsmaßnahmen im Kampf gegen die Finanz- und Wirtschaftskrise entfaltet. Das im Herbst vorigen Jahres verabschiedete, 700 Milliarden Dollar (543 Mrd Euro) schwere US-Paket zur Bankenrettung habe "eine mögliche globale Finanz-Kernschmelze" abgewendet. Damals habe sich die Welt in einer "sehr gefährlichen Situation" befunden, sagte Bernanke. Die Gefahr, dass es erneut zu Wirtschaftsdepression wie in den 30er Jahren komme, sehe er als abgewendet. "Das haben wir hinter uns", erklärte er.

Im Kampf gegen die Krise senkte die Federal Reserve den US-Leitzins auf ein historisches Niveau von knapp über Null Prozent. Zudem versucht die Notenbank mit einer Vielzahl von Darlehensprogrammen den Kreditfluss wieder in Gang zu bringen. Der Offenmarktausschuss der Fed kommt am Dienstag und Mittwoch zu seiner turnusgemäßen Sitzung zusammen. Beobachter rechnen damit, dass die Notenbank dann möglicherweise Pläne zum Kauf von Staatspapieren vorlegen könnte, um die Zinsen auf verschiedenen Märkten zu drücken. (küs/dpa)