Der Tagesspiegel : Fingerspitzengefühl

In den Messehallen gibt es nicht nur viel zu sehen, sondern auch zu ertasten

Jeannette Krauth

Bilder, Töne, Design: Die Funkausstellung können wir nur dank unserer Sinne genießen. Deshalb widmen wir jeden Ifa-Tag einem Sinn. Heute: das Fühlen.

Eins, zwei, drei Fußbälle werfen die Moderatoren der Telekom-Bühne den Zuschauern zu. Vier, fünf – Aua! Der fünfte Ball landet am Schultergelenk einer jungen Frau. Die Schmerzrezeptoren, freie Nervenenden, die in der Epidermis der Haut liegen, melden sogleich einen Impuls und leiten eine Kette von Informationen ein: Der aktivierte Rezeptor sagt es den Nervenbahnen, und die leiten den Impuls zum Gehirn. Diese Impuls-Weiterleitung geschieht bei jedem Reiz, den die Sinneszellen wahrnehmen. Zum Fühlen haben wir drei Sorten: für Berührung, Schmerz und Temperatur.

Wie ein Fußballstadion ist die Halle 6.2, Telekom, gestaltet. Die Pappwände ringsum sind mit jubelnden Zuschauerrängen bedruckt, und auf dem Boden liegt als Stadionrasen grüner Teppich. Zum Ausruhen stehen Sofaecken bereit. Hier funktioniert es also mal anders herum: Die Arena kommt nicht aus der Glotze ins heimische Wohnzimmer , sondern das Sofa ist ins Stadion gezogen. Weniger bequem und nicht so soft wie die Couch sind Sitzecken, die an begrünten Kästen mit Rollrasen anschließen. Der Rasen bräuchte mal ein bisschen Wasser, fährt man mit den Fingern durch das Gras, fühlt es sich schon ganz trocken und strohig an. Soft, hart, strohig: Diese Infomation liefern unsere Mechanorezeptoren. Sie reagieren auf Druck, Berührung, Dehnung, Bewegung oder Schall. Und mit diesen Rezeptoren sind unsere Hände besonders reich ausgestattet. Wie auch Lippen und Zunge. Aber die gesamte Haut gehört dazu. Zwei Quadratkilometer Fläche – damit ist sie unser größtes Sinnesorgan.

Im Hawaiihemdchen und mit Blumenkette um den Hals kann man sich gegenüber der Bühne ablichten lassen. Fotografiert wird vor einer Leinwand, die Palmen, Meer und Sand zeigt. Das sieht hinterher richtig echt nach Südsee-Urlaubsbild aus. Ist auch ganz schön warm hier. Wie kalt, warm oder heiß es ist, sagen unsere Thermorezeptoren. Die schicken ein Signal an den Wärmeregulator im Gehirn. Dort laufen die Infos zusammen: Wie es um die Oberflächen- und Kerntemperatur des Körpers steht. Dann wird entschieden: Zittern, schwitzen oder Gleichmut. Gerade, vor dem Fotostand, schaltet der Regulator wohl auf: „Viel zu warm!“ Also raus aus der Hawaii-Fußball-Sofa-Halle, Richtung Sommergarten. Echte Spätsommersonne genießen!

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