Der Tagesspiegel : Firmen kämpfen gegen Straßenausbau Unternehmer: Sperrungen auf der B 179 gefährden 150 Jobs in Gewerbegebiet

Claus-Dieter Steyer

Königs Wusterhausen - Gewerbetreibende an der Bundesstraße 179 in Königs Wusterhausen fürchten um ihre Existenz. Weil die Trasse in ihrem Ortsteil Zeesen in Kürze auf 1,4 Kilometer Länge ausgebaut wird, müssen sie ein ganzes Jahr lang mit erheblichen Beeinträchtigungen leben. „Die Bauzeit ist viel zu lang“, sagt Anne Keding, Geschäftsführerin der Kapella Baustoff GmbH. Nach ihren Berechnungen seien durch die jeweils halbseitigen Sperrungen entlang der Straße und im Gewerbegebiet mindestens 150 Arbeitsplätze in Gefahr. „Kundenströme werden gestört oder bleiben durch die Behinderungen ganz aus.“

Gemeinsam mit 71 weiteren Unternehmen mit insgesamt 750 Beschäftigten fordert sie deshalb eine wesentliche Beschleunigung der Arbeiten durch einen Zwei-Schicht-Betrieb. Doch in der Ausschreibung der Straßenverkehrsbehörden ist davon keine Rede. „Uns wurde auf unsere Anfragen immer mit dem Kostenargument geantwortet“, erklärt die Kapella-Chefin. „Aber wenn wir jeden Arbeitsplatz, der durch die Straßenarbeiten verloren geht, auch nur mit 500 Euro Arbeitslosengeld im Monat beziffern, kommen auf den Staat bei 150 prognostizierten Arbeitslosen 900 000 Euro Arbeitslosengeld pro Jahr zu. Ein Zwei-Schicht-Betrieb würde dagegen nur 450 000 Euro mehr Geld kosten.“ Bei einer kürzeren Bauzeit von maximal einem dreiviertel Jahr könnten die Jobs dagegen erhalten bleiben.

„Erfahrungsgemäß sind mehrschichtige Bauarbeiten nicht überall möglich“, sagt die Pressesprecherin des Landesamtes für Straßenwesen, Cornelia Mitschka. „Sehr oft beschweren sich Anwohner über Baulärm in den Abendstunden. Dennoch verspricht das für den Straßenbau zuständige Infrastrukturministerium in Potsdam eine erneute Prüfung der Beschwerden. „Allerdings ist uns in der 15-jährigen Geschichte Brandenburgs kein Fall bekannt, in dem ein Unternehmen wegen Straßenbauarbeiten Pleite ging“, unterstreicht Ministeriumssprecher Lothar Wiegand. Man könne nun einmal nicht bauen, ohne irgendwelche Interessen zu berühren. Der überregionale Verkehr wäre von der halbseitigen Sperrung des 1,4 Kilometer langen Abschnitts der Bundesstraße 179 zwischen Königs Wusterhausen und Lübben nicht sehr stark betroffen. Nahezu parallel verläuft die Autobahn A 13 Berlin-Dresden, mit der Autofahrer die Wartezeiten vor den Baustellenampeln umgehen können.

Ursprünglich planten die Straßenbaubehörden sogar eine Vollsperrung dieses Abschnitts der B 179. Doch dies haben die Unternehmer mit ihren Protesten schon verhindert. Nun hoffen sie auf den nächsten Erfolg: verkürzte Bauzeit durch einen Zwei-Schicht-Betrieb. Doch die Zeit drängt. Am 12. Juli soll der Auftrag an einen Baubetrieb vergeben werden.

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