Der Tagesspiegel : Fisch und Chips

Störe mit Minisender in der Oder ausgesetzt

Schwedt - Ihre neue Freiheit nahmen 150 Störe in der Oder gestern nur sehr zurückhaltend an. Die in der Forschungsanstalt in Born auf dem Darß aufgezogenen Jungtiere im Alter zwischen 18 und 30 Monaten bewegten sich im kalten Fluss minutenlang zunächst nicht, ehe sie dann doch aus dem Blickfeld der Wissenschaftler verschwanden. Diese verfolgen jedoch in den kommenden drei Wochen über Funk den Weg von sechs Fischen. So lange funktioniert ein unter die Haut gesetzter Minisender. Die anderen Störe wurden mit einem winzigen nummerierten Chip markiert. Sollten sie einem Fischer ins Netz gehen, kann er die Daten notieren, den Fisch wieder ins Wasser zurückgeben und die Wissenschaftler verständigen.

„Wir wissen noch viel zu wenig über den vor über 100 Jahren aus der Oder verschwundenen Stör“, sagt Fischereibiologe Eckhard Anders von der Station auf dem Darß. „Vielleicht wandern einige in die Nebenflüsse der Oder, während andere lieber im breiten Fluss bleiben.“

Bereits 2007 wurden 5000 Störe in den Grenzfluss ausgesetzt. In den nächsten Wochen kommen noch 2000 hinzu. Von 15 bis 20 Prozent wissen die Experten ganz sicher, dass sie überlebten. Denn so viele gingen ihnen bei Tests ins Netz. „Sie finden in der Oder inzwischen sehr gute Bedingungen vor“, sagte Dirk Treichel, Chef des Nationalparks Unteres Odertal. „Sie ist sauber, besitzt keine Hindernisse wie Schleusen oder Wehre, und die Fischerei ging stark zurück.“ Auch die Jagd auf die Störeier, die zu Kaviar verarbeitet werden, hatte Anfang des 20. Jahrhunderts zum Aussterben geführt. Denn um an den Kaviar zu kommen, müssen die Tiere geschlachtet werden.

Zwei Jahre werden die ausgesetzten Fische in der Oder leben. Dann ziehen sie in die Ostsee weiter, um nach zehn Jahren hoffentlich zum Laichen in ihr angestammtes Flussrevier zurückzukehren. In der Ostsee wurde der letzte Stör 1996 vor der Küste Estlands gefangen. Lange Zeit war an eine Rückkehr des Störs nicht zu denken, bis man Ähnlichkeiten des Ostseestörs mit einer vor der kanadischen Küste vorkommenden Art feststellte. Deshalb wurden dort Jungtiere gefangen, um sie auf dem Darß an die Ostseebedingungen zu gewöhnen. Ste.

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