Fischerei-Quoten : Deutschland will mehr Dorsch fangen

Deutschland droht wegen der neuen Fischerei-Quoten Streit mit der EU-Kommission. Die Bundesregierung hat den Vorschlag der EU für eine starke Einschränkung des Fangs des bedrohten Ostseedorschs und weiterer Fischarten abgelehnt.

Dorsch
Vom Aussterben bedroht: Dorsch aus der Ostsee. -Foto: ddp

LuxemburgDeutschland will eine zu starke Einschränkung der Fangquoten für den im Bestand bedrohten Ostseedorsch verhindern. Bei Verhandlungen der EU-Staaten über die Fangquoten für 2008 in Luxemburg sprach sich die Bundesregierung gegen den Vorschlag der EU-Kommission aus. Auch die geplanten Kürzungen der Quoten für Scholle, Sprotte und Hering gingen zu weit, hieß es aus Delegationskreisen. Ob die Chance auf eine Einigung besteht, war bis zum Nachmittag unklar.

Beim Treffen der für Fischerei zuständigen Minister schlug die EU-Kommission vor, die Fänge des in der Ostsee Dorsch genannten Kabeljau deutlich zu reduzieren. Die gesamte Menge soll 2008 in der westlichen Ostsee um ein Drittel und in der östlichen Ostsee um gut ein Fünftel verringert werden. Zudem sollen die Fischer nach dem Willen der Kommission in der mittleren Ostsee knapp ein Siebtel weniger Lachs und in der westlichen Ostsee ein Fünftel weniger Hering fischen.

Die Kommission hatte ihren Vorschlag Ende September mit dem "Ernst der Lage" gerechtfertigt und sich auf ein Gutachten des Internationalen Rates für Meeresforschung (ICES) berufen. Der Rat fordert einen Fangstopp für Dorsch in der östlichen Ostsee und eine Senkung um die Hälfte im Westen.

Vier Fünftel der europäischen Fischbestände überfischt

Die Umweltorganisation WWF (World Wide Fund for Nature) hatte der EU Anfang Oktober eine verfehlte Fischereipolitik vorgeworfen und eine Mitschuld an der Überfischung der Meere gegeben. Vier Fünftel der Fischbestände vor den Küsten Europas sind nach einer WWF-Analyse bis an die biologischen Grenzen befischt oder überfischt. Ursachen seien zu hohe Fangquoten, eine zu große Fischereiflotte und ein mangelhaftes Fischerei-Management.

Die EU-Staaten legen jedes Jahr die Höchstfangmengen, deren Aufteilung auf die Staaten und die dafür nötigen Auflagen für die Flotten fest. Ein wichtiges Instrument, auf die schwankenden Bestände der Fischarten zu reagieren, ist das Variieren der erlaubten Fangtage. (mit dpa)