Der Tagesspiegel : Flanieren rund ums Posttor

11. Potsdamer Schlössernacht: Tausende bestaunten das restaurierte 32 Meter breite und elf Meter hohe Posttor.

Claus-Dieter Steyer
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Fürs Fest restauriert. Das 32 Meter breite und 11 Meter hohe Posttor war ein Star der 11. Potsdamer Schlössernacht. Es wurde für...ddp

Potsdam - Flanieren oder Wandern? Vor dieser Frage standen am Samstagabend wieder rund 33 000 gut gelaunte Besucher im Park Sanssouci. Denn die mehr als 400 Künstler der elften Auflage der Potsdamer Schlössernacht spielten, tanzten und sangen überall im weitläufigen Gelände. Um alle Auftrittsorte in den acht Stunden zwischen 17 und 1 Uhr zu besuchen, bedurfte es schon einer starken Kondition. Allein die Hauptallee zwischen der großen Fontäne am Weinbergschloss und dem Neuen Palais zieht sich rund zwei Kilometer durch den festlich erleuchteten Park. Da blieb so mancher glücklicher Kartenbesitzer der seit Monaten ausverkauften Veranstaltung lieber im Umkreis eines ganz bestimmten Schlosses oder Gartens.

An einem Ort schauten allerdings besonders viele Gäste vorbei. Das riesige Posttor in der Nähe des Bahnhofs Park Sanssouci erstrahlt dank der Schlössernacht des Jahres 2007 nun erstmals wieder im alten Glanz. Von den damaligen Eintrittsgeldern wurden 128 000 Euro in die Restaurierung des einst für den deutschen Pavillon auf der Weltausstellung 1893 in Chicago gebauten Kunstwerkes gesteckt. Nun schmückt es wieder den Anfang der Lindenavenue in Richtung Neues Palais.

In diesem Jahr unterstützen die Ticketkäufer mit rund 250 000 Euro die Sanierung der Sandsteinfiguren auf dem Dach des Neuen Palais. „Sie sind rund 250 Jahre alt und das letzte Mal in den siebziger Jahren ausgebessert worden", sagte Kathrin Lange von der Abteilung Skulpturenrestaurierung der Schlösserstiftung. „Kürzlich ist der Kopf einer der Figuren, die zwischen 2,20 und 3,70 Meter groß sind, heruntergestürzt.“ Als Ursache hatten Experten einen nachträglich durch den Sandstein verlegten Blitzableiter ermittelt. Der hatte Rost angesetzt und so die Figur gesprengt.

Im Scheinwerferlicht waren diese Schäden nicht auszumachen. Stattdessen erfreuten sich die Gäste am Wechsel von Licht und Schatten. „Nächtliche Veranstaltungen üben eine Faszination auf die Menschen aus“, sagte Veranstalter Reinhard Mann. „Sie genießen die Einmaligkeit ausgeleuchteter Gebäude und Gärten.“ Inzwischen organisieren die Macher der Potsdamer Nacht eine ähnliche Veranstaltung in Pillnitz bei Dresden. Dort würden sich die Besucher ganz schick machen, erzählte Mann. Und dort kommt angesichts eines einzigen Schlosses nur Flanieren infrage.Claus-Dieter Steyer

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