Der Tagesspiegel : Flasche leer bei Coca-Cola in Genshagen

Neues Mineralwasser „Dasani“ kommt vorerst nicht auf den Markt

Sandra Dassler

Genshagen. „Wir sind nunmal ein globales Unternehmen“, sagt Reiner Roller. Etwas Bedauern schwingt in den Worten mit, denn der Chef des Produktions- und Logistikzentrums von Coca-Cola in Genshagen hatte mit der geplanten Einführung des Mineralwassers „Dasani“ große Hoffnungen verbunden. Doch jetzt gab Coca-Cola Europe bekannt, dass das stille Wasser vorerst weder den deutschen noch den französischen Markt erobern wird. Der Konzern begründet das damit, dass „der gewählte Zeitpunkt nicht länger als optimal angesehen wird“.

Nicht nur die Coca-Cola-Mitarbeiter in Genshagen wissen, was damit gemeint ist. Der Name „Dasani“ verbindet sich für Verbraucher in Europa mit einem Skandal: In Großbritannien war „Dasani“ bereits als Tafelwasser verkauft worden. Das kam allerdings nicht aus einer Quelle, sondern aus der Leitung, genauer gesagt – aus einem Wasserhahn südlich von London (der Tagesspiegel berichtete). Britische Medien sprachen von 3000 Prozent Gewinn, die Öffentlichkeit war empört. Es nutzte nichts, dass Coca-Cola beteuerte, das Leitungswasser sei ja noch gereinigt und entkeimt worden.

In Deutschland wollte der Konzern jeglichen Missverständnissen vorbeugen. „Dasani ist stilles Mineralwasser aus einer echten Quelle“, versicherte Coca-Cola-Pressesprecherin Christina Jacob. Und diese Quelle liegt in Genshagen. Sie sprudelte bereits, als sich Coca-Cola 1999 dort ansiedelte. Ihr Wasser wurde bisher aber nur für die normale Produktion genutzt. Als Betriebschef Roller von den „Dasani“-Plänen erfuhr, ließ er das Quellwasser aus 90 Meter Tiefe durch das Institut Fresenius untersuchen. Ergebnis: Es erfüllte alle Anforderungen an ein Mineralwasser.

Im Oktober 2003 stellte Roller beim Umweltministerium die Anträge für die inzwischen „Andina“ getaufte Quelle. 18 Tage später wurde die Nutzungsbestätigung erteilt. Als Coca-Cola vor zwei Wochen bekannt gab, dass das deutsche „Dasani“ ausschließlich aus der Genshagener Quelle gespeist würde, war die Freude dort groß. In der Bundesrepublik ist vorgeschrieben, dass Mineralwasser im Gegensatz zu Tafelwasser wie „Bonaqa“ nur an der Quelle abgefüllt werden darf. Das hätte den Coca-Cola-Mitarbeitern in Genshagen langfristig die Jobs sichern und weitere Arbeitsplätze schaffen können.

Zwar hat Coca-Cola-Sprecherin Jacob gestern erklärt, es werde keinen Arbeitsplatzabbau in Genshagen geben. Trotzdem hofft Betriebsleiter Reiner Roller darauf, dass der Skandal von England irgendwann vergessen und „seine“ Quelle dann noch in guter Erinnerung ist.

0 Kommentare

Neuester Kommentar