Der Tagesspiegel : Flüchtlinge klagen über totale Isolation

Sandra Dassler

Waldsieversdorf - Die nächste Bushaltestelle ist vier Kilometer entfernt, die Kinder können nicht in den Kindergarten gehen, ein Telefon darf nur benutzt werden, wenn das Heimpersonal mithören kann – so beschreiben Asylbewerber aus einem Flüchtlingsheim in Waldsieversdorf ihre Situation. Jetzt haben sie sich in einem Offenen Brief an den Landkreis Märkisch-Oderland und den Betreiber des Heims, das abgeschieden auf einem früherem Militärgelände liegt, gewandt. Darin beklagen sie auch eine „unzureichende medizinische Versorgung“ und „totale soziale Isolation“: „Die Situation ist unerträglich und macht uns krank.“

Der Flüchtlingsrat Brandenburg, der die Petition gestern in Potsdam veröffentlichte, bestätigt die Aussagen der Asylbewerber. Die Verantwortung, den Flüchtlingen ein menschenwürdiges Leben zu ermöglichen, werde in Märkisch-Oderland nicht wahrgenommen: „Der Landkreis kalkuliert offensichtlich ganz bewusst ein, dass sich die Flüchtlinge hier im Aufnahmeland wieder als Vertriebene fühlen müssen“, sagt Simone Tetzlaff vom Flüchtlingsrat. Seit der Eröffnung des Heims Anfang 2003 sei immer wieder versichert worden, dass es sich nur um eine Übergangslösung handele. Diese bestehe nun aber schon zweieinhalb Jahre.

Der Sprecher des Landkreises, Tobias Seyfarth, wies die Kritik zurück. Für seine Behörde stehe die Menschenwürde an erster Stelle, sagte er dem Tagesspiegel. Zwei Sozialarbeiter würden sich um die Asylbewerber in Waldsieversdorf kümmern, es gebe einen Runden Tisch, wo die Beschwerden behandelt werden könnten. Seyfarth bestätigte aber, dass das Heim sehr abgeschieden liege – „deshalb ist noch in diesem Jahr der Umzug nach Strausberg geplant“. Da es keine gesetzliche Grundlage für die Bereitstellung von Kindergärtenplätzen gebe, könne der Landkreis an dieser Situation nichts ändern.

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