Flughafen Schönefeld : Nachtflugverbot? München macht’s vor

In München soll der Bau einer dritten Landebahn lärmgeplagte Anwohner entlasten, da dadurch die Kapazität am Tag erhöht wird und weniger Flüge in der Nacht stattfinden. Berlin plant bislang anders.

von
Foto: dpa

Keine Flüge zwischen 22 Uhr und 5 Uhr: Was Anwohner für den neuen Flughafen in Schönefeld fordern, wird in München umgesetzt. Allerdings nur für eine der künftig drei Start- und Landebahnen. Im jetzt erlassenen Genehmigungsbescheid für die neue Piste ist das Nachtflugverbot ab 22 Uhr vorgeschrieben, es dauert sogar bis 6 Uhr morgens. Auf den vorhandenen Bahnen beschränkt sich das Verbot dagegen weiter nur auf die Zeit zwischen 0 Uhr und 5 Uhr. In den auch in Schönefeld umstrittenen sogenannten Randzeiten von 22 Uhr bis 24 Uhr und 5 Uhr bis 6 Uhr dürfen Flugzeuge nur unter strengen Auflagen starten und landen.

Nach Ansicht von Flughafensprecher Ralf Kunkel lassen sich die Münchener Regelungen aber nicht auf Berlin übertragen. Die vorgesehenen Nachtflüge in den Randzeiten erfolgten auch in Schönefeld nur unter Auflagen und seien bereits ein Kompromiss. Zugelassen sind maximal 103 Flüge. Ob die Genehmigung des Infrastrukturministeriums von Brandenburg Bestand hat, wird sich vor Gericht zeigen. Klagen dagegen verhandelt das Bundesverwaltungsgericht am 20. und 21. September.

Sehr weit gegangen ist die Regierung von Oberbayern bei ihrer Genehmigung für den auch in Bayern heftig umstrittenen Bau der dritten Bahn bei den Entschädigungsansprüchen. Im erweiterten Entschädigungsgebiet können statt etwa 35 nun rund 100 Grundstückeigentümer statt Schallschutzmaßnahmen auch verlangen, dass ihnen die Flughafengesellschaft die Flächen zum Verkehrswert von 2007 abkauft. Damals hatte der Flughafen den Bau der dritten Bahn beantragt. Auch in Schönefeld habe es einen solchen „Übernahmeanspruch“ gegeben, sagte Kunkel. Zudem sei die Ortschaft Diepensee komplett umgesiedelt worden. Dort benötigte man allerdings auch die Flächen für den Flughafenausbau.

Interessant ist die Münchener Entscheidung zudem für die Berliner Flugroutendiskussion. Messungen zeigten, dass im Umland des Flughafens keine erhöhte Belastung durch Luftschadstoffe bestehe, teilte die Genehmigungsbehörde mit. Sie widerspricht auch der Ansicht, der Ausbau müsse unterlassen werden, weil dadurch Natur und Landschaft beeinträchtigt würden. Die Genehmigung könne auch für Naturschutz- und Vogelschutzgebiete erteilt werden, falls keine zumutbare Alternativlösung vorhanden sei und für das Vorhaben zwingende Gründe des überwiegenden öffentlichen Interesses sprächen, erklärte die Behörde.

Der Bau der dritten Bahn und die demnächst in Frankfurt (Main) in Betrieb gehende vierte Landebahn stärken die Drehkeuzfunktionen auf diesen beiden Flughäfen. Kunkel ist überzeugt, dass sich dies nicht auf Berlin auswirken wird. „München ist München und Berlin ist Berlin“, sagte er. In Schönefeld will Air Berlin ein Drehkreuz schaffen – neben Düsseldorf. Auch die Lufthansa will ihr Engagement verstärken und hat ein Projekt „Zukunft Berlin“ entwickelt. Entscheidungen seien aber noch nicht gefallen, sagte der Berliner Lufthansa-Sprecher Wolfgang Weber.

Für lärmgeplagte Anwohner soll der Bau der dritten Bahn in München sogar einen Vorteil haben. Weil dadurch die Kapazität am Tag erhöht werde, gebe es weniger Flüge in der Nacht, argumentiert die Genehmigungsbehörde. An eine dritte Bahn werde in Berlin aber nicht einmal gedacht, sagte Kunkel.

36 Kommentare

Neuester Kommentar