Flughafengegner : Spenden sammeln gegen Nachtflüge

Die Gegner des Flughafens Berlin-Brandenburg in Schönefeld brauchen noch Geld für Klagen gegen Nachtflüge. Kritik gibt es auch an der Umsetzung des Schallschutzprogramms.

Klaus Kurpjuweit

Schönefeld - Spenden sammeln – oder Lärm ertragen. Für den Bürgerverein Berlin-Brandenburg (BVBB) ist die Antwort klar: Nur wenn es weitere Spenden gibt, können Klagen für Anwohner gegen die vorgesehenen Nachtflüge am ausgebauten Flughafen Berlin-Brandenburg in Schönefeld vor dem Bundesverwaltungsgericht eingereicht werden. Mindestens 250 000 bis 300 000 Euro seien dafür erforderlich, sagte am Montag die BVBB-Vorsitzende Astrid Bothe. Etwa 185 000 Euro habe der Verein bereits auf dem Konto. Bis Mitte Januar bleibt noch Zeit, weiteres Geld zu sammeln.

Bitter beklagte sich Bothe, dass die umliegenden Gemeinden nicht bereit seien, den BVBB zu unterstützen. Den angekündigten Klagen der Gemeinden räumt man beim BVBB wenig Chancen ein, weil die Betroffenheit viel geringer sei als bei Anwohnern. „Rathäuser und Kindertagesstätten sind nachts geschlossen; wir aber müssen versuchen, trotz des Fluglärms zu schlafen“, sagte Bothe. Mehr als 100 Flüge pro Nacht sollen für den ausgebauten Flughafen zulässig sein.

Damit es nicht zu laut wird, sind über 140 Millionen Euro für ein Schallschutzprogramm vorgesehen. Es umfasst rund 50 öffentliche Einrichtungen wie Schulen, Kindertagesstätten oder Pflegeheime sowie etwa 25 500 Privathaushalte in den Einflugschneisen. 10 000 Berechtigte haben nach Angaben der Flughafengesellschaft bereits einen Antrag gestellt.

Kläger-Anwalt Frank Boermann warnt allerdings davor, Vereinbarungen mit der Flughafengesellschaft vorschnell zu unterschreiben. Die bisherigen Angebote seien rechtlich „ausgesprochen zweifelhaft“, weil die Betroffenen vollständig auf die Entscheidungen der Flughafengesellschaft angewiesen seien.

Diese lässt Haus für Haus von ihr beauftragte Ingenieure ermitteln, welcher Schutz eingebaut werden muss. Ob Schallschutzfenster reichen oder ob etwa auch Lüfter erforderlich sind. Boermann fordert hier für seine Mandanten mehr Mitspracherechte. Den Anwohnern könne nicht zugemutet werden, die Angaben des Flughafens einfach zu glauben.

Einen Erfolg haben die Ausbaugegner bereits verbucht. Die EU verlangt vom Senat, dass bei den aktuellen Lärmkarten, die nach Richtlinien der EU erstellt werden müssen, auch der Fluglärm von Schönefeld berücksichtigt werden muss, was die Verwaltung unterlassen hatte, weil Schönefeld beim Erstellen der Lärmkarte noch kein „Großflughafen“ gewesen sei.

Nach Angaben des Ehrenvorsitzenden des BVBB, Ferdi Breidbach, will der Verein ferner erreichen, dass das Feinstaubproblem am Flughafen bei der weiteren Planung berücksichtigt wird. Es sei gravierender als in der Innenstadt, wo der Senat ein Fahrverbot für Autos mit zu hohem Schadstoffausstoß verhängt hat.

Im Übrigen ist Breidbach überzeugt, dass es überhaupt keine Nachtflüge geben müsse. „Die Menschen wollen nicht nachts fliegen.“ Klaus Kurpjuweit

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