Flugrouten : Aufruhr an den Havelseen

Die neuen Flugroutenvorschläge entlasten Berlin. Doch Potsdam und Werder befürchten Dauerlärm. Die Anflugrouten sollen erneut ein Thema auf der Sondersitzung der Fluglärmkommission am 28. März werden.

Hagen Ludwig
Lautstark. Beim Thema Flugrouten haben viele Bürger bewiesen, dass sie mitreden wollen.Weitere Bilder anzeigen
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13.01.2012 21:01Lautstark. Beim Thema Flugrouten haben viele Bürger bewiesen, dass sie mitreden wollen.

Potsdam-MittelmarkDie jüngsten Vorschläge der Deutschen Flugsicherung (DFS) für die künftigen Anflugrouten zum BBI stoßen in der Havelsee-Region rund um Potsdam und Werder (Havel) auf massive Kritik. Wie berichtet, hatte die DFS am Montagabend konkrete Korridore vorgestellt, die zur Hauptverkehrszeit von Flugzeugen in Richtung Schönefeld genutzt werden sollen. Einer dieser Korridore verläuft genau über Werder, Teile von Potsdam und die Havelseen. Bürgerinitiativen und Kommunen der Region laufen jetzt Sturm und fordern stattdessen die Westgrenze für die Anflüge außerhalb der A10 zu ziehen und einen festen Überflugpunkt westlich des Autobahndreiecks Werder, also am Schnittpunkt von A 2 und A10 festzulegen.

Offizieller Protest kommt von den Bürgermeistern aus Werder und Schwielowsee, Werner Große und Kerstin Hoppe (beide CDU). „Ich bin entsetzt“, sagt Große: „Komprimiert würden landende Flugzeuge in 1000 Meter Höhe über unsere anerkannten Erholungsorte hinwegdonnern. Das wäre eine Katastrophe“, so Werders Bürgermeister. Sein Eindruck: „Um Berlin zu verschonen, werden wir jetzt außerordentlich belastet.“

„Die neuen DFS-Vorschläge sind auf keinen Fall hinnehmbar, Potsdam droht die Totalverlärmung“, warnt auch Markus Peichl von der Bürgerinitiative der Landeshauptstadt. Und Peter Kreilinger von der Bürgerinitiative „Fluglärmfreie Havelseen“ beklagt, dass die gesamte Zuführung für die nördliche Landebahn nun ausgerechnet von Nord nach Süd über Werder, Caputh und Geltow oder über Potsdam erfolgen soll. Und über Wilhelmshorst und Michendorf werde dann gedreht. „Auf diese Weise würde die gesamte Region unter einem Dauerlärmteppich verschwinden“, befürchtet Kreilinger. Betroffen wären 45 000 Einwohner. „Wir sind zuversichtlich, dass dies ein unüberlegter erster Wurf ist und die DFS sich bemüht, ihn zu verbessern“, sagt Kreilinger. Richtig sei allein, die Westgrenze für die Anflug-Korridore außerhalb des Berliner Autobahnrings zu ziehen, so wie es die Bürgerinitiativen und betroffene Havelsee-Kommunen seit geraumer Zeit fordern.

Die Anflugrouten sollen erneut ein Thema auf der Sondersitzung der Fluglärmkommission am 28. März werden. Klar ist, dass die von der DFS vorgestellten Korridore nur in der Hauptverkehrszeit genutzt werden sollen, um die anfliegenden Flugzeuge zu staffeln. Anders kann es in verkehrsärmeren Zeiten aussehen, wenn die Piloten ohne Umwege in der Luft die Landebahnen erreichen könnten. Auch dafür müsse eine klare Lösung auf den Tisch, sagt Kreilinger. Deshalb fordert die Havelseen-Bürgerinitiative einen ganztägig gültigen „mandatory fly-over-Wegpunkt“ – einen Punkt, der überflogen werden muss – im Bereich westlich des Autobahndreiecks Werder. Dann würde es für die Piloten keinen Sinn mehr machen auf dem Weg nach Schönefeld über die Havelseen, Potsdam oder Wannsee zu fliegen. Unterstützung für diesen Vorschlag gibt es auch von anderen Initiativen des Bündnisses „Berlin-Brandenburg gegen neue Flugrouten“. Die Kleinmachnower wollen außerdem künftig auch mit kleinen Gruppen im Flughafengebäude Schönefeld protestieren. Für den kommenden Sonntag habe man bei Polizei und Flughafengeschäftsführung bereits eine Demonstration angemeldet, hieß es.

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