Formel 1 : Aus für Schumacher in der Qualifikation

Die Serie von Pleiten, Pech und Pannen bei Toyota reißt nicht ab. Beim Großen Preis von Kanada startet Ralf Schumacher ohne Aussicht auf Erfolg.

MontréalVor dem Großen Preis von Kanada brach bei Ralf Schumachers Teamkollege Jarno Trulli im Training am Freitag gleich zwei Mal ohne ersichtlichen Grund die Radaufhängung vorne rechts. Der Italiener schleppte seinen bei der Fahrt über die hohen Randsteine in Kurve acht ramponierten Rennwagen an die Box, Ralf Schumacher musste aus Sicherheitsgründen lange Zeit in der Garage bleiben. "Solche Dinge können passieren. Das Vertrauen ins Auto verliere ich nicht, dafür bin ich zu lange dabei", sagte der Kerpener trotzdem.

In der offiziellen Begründung des Rennstalls heißt es, dass man in Kanada eine spezielle Abstimmung des seit zwei Jahren benutzten Radträgers eingesetzt habe. Durch Analysen in Köln wurde ausgeschlossen, dass die Produktionsserie fehlerhaft ist. Toyota kehrte deshalb zu der ursprünglichen Aufhängungskonfiguration zurück. Die Fahrer wurden angewiesen, den Randstein in Kurve acht zu meiden, um den extremen Kräften auszuweichen.

Die Quittung gab es in der Qualifikation: Ralf Schumacher schied früh aus, muss beim Rennen am Sonntag (19.00 Uhr/RTL und Premiere) von weit hinten starten. Seine schwache Leistung schob er nicht auf den Toyota: "Ich habe irgendwie die Verkehrskarte gezogen. Bei meiner ersten Runde waren vier Autos vor mir, bei der zweiten Alonso. Ich war ständig im Verkehr. Es läuft das ganze Wochenende schon nicht gut. Das Aufhängeproblem ist nicht das Problem. Nun müssen wir schauen, was morgen noch geht. Ich hoffe, ein paar Plätze gutmachen zu können."

Schumacher wollte in Montréal mit der Aufholjagd beginnen und seinen ramponierten Ruf aufpolieren. Immerhin ist der Kanada-Grand- Prix für den Bruder von Rekord-Weltmeister Michael Schumacher ein gutes Pflaster. "Ich mag die Stadt sehr und kann auch auf eine gute Bilanz dort zurückblicken. 2001 habe ich gewonnen, 2003 war ich Zweiter", sagte er.

Toyota in der Krise

Bei Toyota läuft im sechsten Jahr des Formel-1-Engagements fast alles schief. "In letzter Zeit haben wir einfach eine frustrierende Pechsträhne", meinte Ralf Schumacher. Die gebrochene Radaufhängung am Toyota taugt zum Symbol der Krise, die jedoch hausgemacht ist. Personalwechsel auf wichtigen Positionen haben für Unruhe im Team gesorgt. Die Schlagkraft scheint zu fehlen.

Gerade einmal fünf Punkte hat der in Köln beheimatete Rennstall in den bisherigen Rennen gesammelt - zu wenig für die hohen Ansprüche des Auto-Giganten. Der hoch bezahlte Star-Pilot Schumacher ist von vielen zum Sündenbock gestempelt worden, nur weil er die Duelle gegen seinen Teamkollegen Trulli verloren und bisher gerade einmal einen einzigen Zähler geholt hat.

Seit der bald 32-Jährige im Jahr 2005 von BMW zu den Japanern gewechselt ist, geht sportlich nicht mehr viel. Dabei hatte sich Toyota von der Verpflichtung des sechsmaligen Grand-Prix-Siegers eine Steigerung versprochen, die ja auch zunächst gelang. Andererseits hat es der Auto-Gigant trotz des höchsten Jahresetats aller Formel-1- Teams von geschätzten 400 Millionen Dollar nicht geschafft, einen wirklich konkurrenzfähigen Wagen zu bauen.

Und nun die Probleme mit der Zuverlässigkeit. "Aus Fahrersicht kann so etwas einmal vorkommen. Dann setzt man sich wieder ins Auto und man attackiert. Aber wenn es dann gleich wieder passiert, dann fängt man an zu denken", sagte Trulli. "Wir müssen den Grund suchen, warum diese Teile nicht halten. Da gibt es kein Wenn und Aber", sagt Ralf Schumacher. Er geht aber fest davon aus, das Rennen fahren zu können. "Wir werden den Grund schon finden und das in den Griff bekommen." (mit dpa)