Formel 1 : "Das Urteil ist eine Farce"

Nach Bekanntgabe der 100-Millionen-Rekordstrafe gegen McLaren-Mercedes schlagen die Wellen hoch im Rennzirkus. Einige Medien sehen bereits das Ende der Formel 1 gekommen.

Silverstone
Spioniert? Mechaniker von Ferrari und McLaren in Silverstone. -Foto: dpa

Paris/HamburgDie höchste Strafe in der Geschichte des Sports hat das Formel-1-Team McLaren-Mercedes geschockt, der "Freispruch" für die Silberpfeil-Piloten in der Spionage-Affäre wirft dagegen Fragen auf und wird bereits heftig kritisiert. "Das Urteil ist eine Farce", wetterte die italienische Zeitung "Tuttosport". "McLaren wird nur in der Konstrukteurs-WM bestraft. So schlägt die Fia noch unseren Fußballskandal." McLaren war vorgeworfen worden, illegal beschaffte Unterlagen seines Hauptkonkurrenten Ferrari zum eigenen Vorteil ausgewertet zu haben.

Auch der "Corriere della Sera" kommentierte das Urteil des Fia-Weltrates - sage und schreibe 100 Millionen Dollar Geldstrafe und Abzug aller Punkte in der Konstrukteurs-WM - bissig: "McLaren bestraft, die Piloten sind gerettet. Das ist eine Justiz mit doppelter Heuchelei. Ein schwarzer Tag für den Sport." Mit dem Urteil, so der "Corriere" weiter, werde vielleicht das Image der laufenden WM gerettet, gerecht sei das Urteil aber trotzdem nicht: "Diejenigen, die die Formel 1 regieren, denken nur ans Geld".

Auch die spanische Presse ist verwundert über die Rekordstrafe. "McLaren hat das Schlimmste verhindern können, aber wirtschaftlich könnte die Strafe den britisch-deutschen Rennstall schwer treffen", bemerkt "El País". Die "Marca" hält das Urteil indes für gerecht: "Riesenstrafe für die 'Freunde' von Fernando Alonso. Letztendlich ist das eingetreten, was alle erwarteten, was logisch erschien und alle zufrieden stellt. Es gibt weder Sieger noch Besiegte, der Gerechtigkeit ist Genüge getan worden."

Haug kündigt Berufungsklage an

Der Weltrat des Internationalen Automobilverbandes Fia hatte gestern die Rekordstrafe verhängt. Demnach muss das britisch-deutsche Formel-1-Team die Spionage-Affäre teuer bezahlen und einen fast sicheren Titel ausgerechnet dem Erzrivalen Ferrari kampflos überlassen. Die Fahrer Lewis Hamilton und Fernando Alonso blieben indes wegen der besonderen Umstände verschont. "Sie haben mit uns zusammengearbeitet und wertvolle Informationen gegeben", teilte Fia-Präsident Max Mosley mit. "Deshalb dürfen sie ihre Punkte behalten."

"Dieses Urteil ist ein Schock für alle im Team und, wie Reaktionen bei Medien und Formel-1-Publikum zeigen, auch für weite Teile draußen", kommentierte Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug die Entscheidung. Er kündigte zugleich eine mögliche Berufung gegen das Urteil an. "Wir kämpfen jetzt erst recht mit aller Entschiedenheit weiter, um auf der Rennstrecke Antworten zu geben, wie zuletzt in Monza, und neben der Rennstrecke vor Gericht Gerechtigkeit zu finden", betonte Haug, nachdem das Team am 26. Juli bei einer ersten Anhörung noch freigesprochen worden war. (mit dpa)