Formel 1 : Ferrari und McLaren einigen sich außergerichtlich

In der Spionageaffäre der Formel 1 ist es zu einer außergerichtlichen Einigung zwischen Ferrari und McLaren gekommen. Ob es weitere rechtliche Schritte gegen den früheren McLaren-Chefdesigner Coughlan gibt, ist aber noch offen.

London/ModenaDie Spionage-Affäre zwischen Ferrari und dem ehemaligen McLaren-Chefdesigner Mike Coughlan ist mit einer außergerichtlichen Einigung vorerst beigelegt worden. Der Brite erklärte sich nach Informationen der BBC bereit, Ferrari unter Eid alle Informationen zur Spionageaffäre mitzuteilen. Der für Mittwoch angesetzte Gerichtstermin vor dem Londoner High Court fiel daher aus. Der italienische Rennstall schloss weitere rechtliche Schritte gegen Coughlan und dessen Ehefrau Trudy jedoch nicht aus.

Coughlan, der wegen der Spionage-Vorwürfe von McLaren-Mercedes beurlaubt wurde, soll ein 780 Seiten umfassendes und streng vertrauliches Ferrari-Dossier vom suspendierten ehemaligen Scuderia-Chefmechaniker Nigel Stepney bekommen haben. Britischen Medienberichten zufolge kam der Fall ans Licht, als Coughlans Frau Trudy die Unterlagen in einem Copy-Shop nahe des McLaren-Sitzes in Woking kopieren lassen wollte. Das Dossier, das wichtige Interna über den neuen Rennwagen der Scuderia enthielt, war bei einer gerichtlich angeordneten Durchsuchung in Coughlans Haus gefunden worden.

Hinweise auf Sabotage verdichten sich

Stepney hat alle Schuld von sich gewiesen. Gegen ihn ermittelt noch die Staatsanwaltschaft Modena. Damit spielt sich die Spionageaffäre im Moment nur noch in Italien ab. Es ist aber weiterhin möglich, dass auch britische Gerichte eingeschaltet werden. "Wir sehen die Quadratur des Kreises, benötigen aber noch einige Details, um alles beweisen zu können", sagte Modenas Staatsanwalt Giuseppe Tibis nach einem Bericht der "La Gazzetta dello Sport".

Wie das Sportblatt berichtete, sollen sich die Hinweise auf eine Sabotage der Ferrari-Rennwagen vor dem Großen Preis von Monte Carlo durch Nigel Stepney verdichten. Der Engländer soll nach Medienberichten ein weißes Pulver in die Tanköffnungen der Rennwagen geschüttet haben. "Wir haben eine Vorstellung, was es war", sagte Staatsanwalt Tibis nach einer Besprechung mit der Spurensicherung. Die Analyse-Daten würden noch von einem zweiten Labor überprüft. Danach müsse ein Gutachten klären, welche Folgen das eingebrachte Pulver für die Motoren der Ferrari gehabt hätte. Stepney bestreitet jegliche Verwicklung in die Sabotage- und Spionage-Affäre. Seine Anwältin will sich am Montag mit Stepney treffen, der danach von der Staatsanwaltschaft angehört werden soll. Nach Angaben der "Gazzetta" soll Stepney Ferrari gedroht haben: "Ich weiß viele Dinge". (mit dpa)