Formel 1 : Hamilton will den Titel nicht geschenkt

Nachdem bereits Fernando Alonso heftige Kritik am McLaren-Einspruch gegen die Wertung des letzten Rennens eingelegt hat, legt nun auch Lewis Hamilton nach. Er will den Titel "mit Stil" holen.

Hamilton
Fairer Verlierer. Lewis Hamilton gratuliert Kimi Räikkönen nach seinem Sieg in Brasilien. -Foto: dpa

Sao Paulo/London      Lewis Hamilton will die Formel-1-Weltmeisterschaft nicht nachträglich am Grünen Tisch gewinnen. "Das wäre falsch. Ich möchte den Titel auf der Strecke holen", sagte der 22 Jahre alte WM-Vize in britischen Medien. Es wäre ein "bisschen grausam" für den neuen Champion Kimi Räikkönen im Ferrari und "wahrscheinlich auch nicht gut für den Sport", so der erst im letzten Saisonrennen am Sonntag im Kampf um die Krone geschlagene Engländer. Dessen Rennstall McLaren-Mercedes protestiert wegen der Benzin-Affäre von Brasilien gegen die Wertung des Laufs.

"Ich würde mich komisch fühlen, denn Kimi hat in den letzten beiden Rennen einen fantastischen Job gemacht", sagte Hamilton zwei Tage nach seiner bitteren Niederlage ausgerechnet beim Saisonfinale in Sao Paulo. Dort war bei drei Autos, die vor Hamilton (7.) ins Ziel kamen, zu kaltes Benzin gemessen worden. Der Vorteil von kälterem Benzin besteht in einer geringeren Dichte wodurch eine größere Menge in den Tank passt. Als Fünfter wäre Hamilton Weltmeister geworden. "Ich bin erst 22 und es wird noch eine Menge Gelegenheiten für mich geben, die WM zu gewinnen. Ich habe keinen Zweifel, dass wir es in der Zukunft schaffen", sagte Hamilton.

Sein in der Endabrechnung punktgleicher (109/3. Platz) spanischer Kollege und Titelverteidiger Fernando Alonso hatte den Einspruch bereits am Montag heftig kritisiert. "Wenn der Protest bei der Fia Erfolg hat und Hamilton dadurch doch noch den Titel gewänne, würde ich vor Scham vergehen. Das wäre eine Schande", sagte Alonso dem spanischen Radiosender Cadena SER.

Kein Angriff auf das Team

Das Team habe sicherlich gute Gründe für den Protest, meinte Hamilton. "Aber als Fahrer ist es aus und erledigt - die WM gelaufen", so der Sensations-Neuling in einem Interview mit dem britischen Sender BBC. Er hatte den Titel als jüngster Pilot um zwei Punkte verpasst und damit auch den den Eintrag, es als erster Fahrer im ersten Formel-1-Jahr geschafft zu haben. "Du willst es mit Stil machen, das Rennen gewinnen oder um die Führung kämpfen. Dadurch aufzurücken, dass andere aus der Wertung genommen werden, ist nicht die Art und Weise, wie ich es schaffen will", sagte Hamilton.

Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug begründete den Protest, der fristgerecht im ersten Schritt eine Stunde nach dem Urteil der FIA-Rennkommissare am Sonntagabend einging und binnen einer Woche in einer ausformulierten Version beim Internationalen Autolmobilverband eingereicht werden muss. "Dieser Einspruch soll eindeutige Klärung schaffen und bestätigen, was in der Sporting Working Group abgesprochen wurde, nämlich die Festlegung des Temperaturlimits für den benutzten Sprit", sagte Haug: "Es geht unserem Team nicht darum, den WM-Titel am Grünen Tisch zu gewinnen." Es gehe um die Klärung der Basis zur Einhaltung von eindeutigen Reglements und dies sei im Interesse aller Teams.

Zwei Deutsche betroffen

Vom Protest betroffen sind Fahrer, die beim Finale vor Hamilton ins Ziel gekommen waren: Der Williams-Toyota des Brasilien-Vierten Nico Rosberg aus Wiesbaden und die hinter ihm auf fünf und sechs rangierenden BMW-Sauber mit dem Polen Robert Kubica und dem Mönchengladbacher Nick Heidfeld. Wegen möglicher Mess-Schwankungen wurde auf eine Strafe verzichtet. Als Fünfter wäre Hamilton Weltmeister geworden. Allerdings gilt es nicht als sicher, dass bei einer möglichen Disqualifikation der Vorderleute Hamilton automatisch auch die entsprechend höhere Punktzahl einheimsen würde. Am Ende fehlten zwei Zähler gegenüber Räikkönen, der mit sechs Siegen und 110 Punkten vor den punktgleichen Silberpfeil-Piloten Hamilton und Alonso triumphierte.

Den zweiten WM-Titel in dieser Saison nach dem Konstrukteurs-Championat will die Scuderia am kommenden Sonntag in Mugello einem Zeitungsbericht zufolge auch mit Rekordweltmeister Michael Schumacher gebührend feiern. (mit dpa)