Formel 1 : Mercedes und BMW wollen Hockenheimring helfen

Der Kampf um den Formel-1-Standort Deutschland geht weiter. Die Hockenheimring GmbH hofft nun auf Unterstützung der Hersteller Mercedes und BMW. Die traditionsreiche Rennstrecke in Hockenheim schreibt seit Jahren rote Zahlen.

HockenheimMercedes und BMW haben sich für Deutschland als Formel-1-Standort ausgesprochen. Zugleich äußerte Hockenheims Oberbürgermeister Dieter Gummer die Hoffnung auf Hilfe der beiden Automobil-Konzerne. "Natürlich gehören die Hersteller auch zu denjenigen, die als Unterstützer infrage kommen. Die Hersteller werden aus den Erträgen bedient", sagte der auch als Vorsitzender der Hockenheimring GmbH fungierende Gummer am Montag.

"Deutschland ist ein wichtiger Markt für BMW"

"Deutschland ist ein wichtiger Markt für BMW. Wir haben hier eine große Fangemeinde. Die Formel 1 darf ihre Traditionsschauplätze nicht verlieren", hieß es von BMW. Die kommerziellen Bedingungen seien Sache des Formula One Managements von Bernie Ecclestone und dem Veranstalter, im konkreten Fall die Hockenheimring GmbH. Diese denkt aus finanziellen Gründen über einen vorzeitigen Ausstieg aus dem bis 2010 datierten Kontrakt nach. "Hier muss eine Lösung gefunden werden", forderte BMW.

"Natürlich haben wir Interesse, dass den deutschen Formel-1-Besuchern mindestens ein Grand Prix in Deutschland geboten wird, nachdem es bis vor kurzem sogar zwei pro Saison gab", erklärte Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug. 5,3 Millionen Euro Minus machte der nach eigenen Angaben in den anderen Geschäftsbereichen schwarze Zahlen schreibende Hockenheimring mit dem Grand Prix in diesem Jahr. "Ähnlich hoch" beziffern die Kollegen vom Nürburgring, wo 2009 der Große Preis von Deutschland ausgefahren wird, die Verluste durch die Austragung des Deutschland- Grand Prix.

17. Dezember ist der Tag der Entscheidung

"Der Zug ist noch nicht abgefahren", sagte am Montag Hockenheimring-GmbH-Geschäftsführer Karl-Josef Schmidt. Bei einem Spitzengespräch der Landesregierung noch Anfang dieses Monats soll mit Vertretern der Metropolregion, der IHK Rhein-Neckar, des Rhein-Neckar-Kreises, der Städte Mannheim und Heidelberg sowie der baden-württembergischen Automobilindustrie eine Lösung gefunden werden. Am 17. Dezember entscheidet dann der Hockenheimer Gemeinderat über das weitere Formel-1-Engagement - oder den Rückzug.

Der Nürburgring steht 2010 nicht als Ersatzstandort zur Verfügung, erklärten die Verantwortlichen bereits. In einem Antwortschreiben des Wirtschaftsministeriums Baden- Württemberg an die Landtags-Grünen hieß es jüngst, dass die Landesregierung der Stadt Hockenheim gegenüber keine Bereitschaft signalisiert habe, Defizite aus Formel-1-Rennen zu übernehmen. In allen anderen Austragungsstätten würden öffentliche Gelder bereitgestellt, "nur hier nicht", monierte Schmidt.

Schlechte Chancen gegenüber Singapur

Schlechte Chancen gegenüber Singapur Oberbürgermeister Gummer betonte, dass man sich als 21.000 Einwohner-Gemeinde in einem ungleichen Konkurrenzkampf mit Metropolen wie Singapur oder Schanghai befinde. Mercedes-Mann Haug wertete es als "keine Erfolg versprechende Aufstellung". "Es geht darum, das Rennen 2010 zu retten", meinte GmbH-Geschäftsführer Schmidt.

Seit 1960 gastiert die Formel 1 in dem Land mit den in der abgelaufenen Saison meisten Fahrern (5) sowie den beiden deutschen Herstellern Mercedes und BMW. Von 1995 bis 2006, also in Zeiten des Ende 2006 zurückgetretenen Rekordweltmeisters Michael Schumacher, durften sich die PS-Fans sogar an zwei Formel-1-Rennen pro Jahr erfreuen. Nach dem Aus in Frankreich (Magny-Cours) und dem Ende von Kanada (Montréal) fürs kommende Jahr droht ein weiterer Standort mit großer Formel-1-Tradition Opfer des höchst kostspieligen Spektakels zu werden.

Stattdessen erobert Ecclestone 2009 mit Abu Dhabi einen weiteren neuen lukrativen und finanzkräftigen Markt. „Wenn es 2010 nicht klappt, dann später auch nicht mehr“, meinte Hockenheims Oberbürgermeister Gummer. Ecclestone sieht die Zukunft der Formel 1 eher in den aufstrebenden Staaten des mittleren Ostens und in Asien.