Forschung : Stammzellen ohne Embryo

Amerikanische und japanische Forscher haben einen Weg beschritten, um an embryonale Stammzellen zu gelangen, ohne dabei einen lebensfähigen Embryo zu zerstören.

Embryonale Stammzellen gelten als Grundlage für zukünftige medizinische Behandlungsmethoden. Sie lassen sich beliebig vermehren und in verschiedene Zellarten verwandeln, so dass sie eines Tages erkranktes oder zerstörtes Gewebe im Körper ersetzen können. Allerdings muss bisher ein lebensfähiger Embryo zerstört werden, um Stammzellen zu gewinnen. Jetzt haben amerikanische und japanische Forscher einen anderen Weg beschritten, um an embryonale Stammzellen zu gelangen. Sie programmierten „erwachsene“ (adulte) Zellen von Mäusen so um, dass diese Zellen die Eigenschaften von embryonalen Stammzellen annahmen.

Wie die Wissenschaftlerteams um Rudolf Jaenisch (Massachusetts Institute of Technology), Konrad Hochedlinger (Harvard-Universität) und Shinya Yamanaka (Universität Kyoto) in den Fachblättern „Nature“ und „Cell Stem Cell“ berichten, wurden Bindegewebszellen zunächst mithilfe eines speziell entwickelten Virus zurückprogrammiert. Das Virus schaltete vier Steuergene in den Zellen ein. Diese regulieren ihrerseits große Netzwerke von Erbanlagen und waren dazu imstande, die ausgewachsenen Gewebezellen in embryonale Zellen zurückzuverwandeln.

Die Forscher fanden keine Unterschiede zwischen „echten“ embryonalen Stammzellen und den mithilfe des Virus hergestellten Stammzellen. Es war sogar möglich, aus den Zellen einen Mäuseembryo heranwachsen zu lassen.

Trotz dieses Durchbruchs halten die Forscher es für keine gute Idee, die Forschung an Stammzellen aus Embryonen nun einzustellen. „Die Ergebnisse sind vorläufig und zeigen lediglich, dass das Prinzip funktioniert“, sagt Rudolf Jaenisch. „Es wird eine Weile dauern, bis wir wissen, was wir mit diesen Zellen beim Menschen bewirken können.“ Es seien noch technische Hürden zu überwinden und Gesundheitsrisiken auszuschließen. (wez)