Der Tagesspiegel : Fortuna ist wieder obenauf

Potsdam feiert die Rekonstruktion des alten Eingangstores zum einstigen Stadtschloss

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Genau um 14 Uhr 09 drehte sich gestern Fortuna das erste Mal nach mehr als 57 Jahren wieder auf dem einstigen Portal des Potsdamer Stadtschlosses. Unter dem Beifall von rund 5000 Schaulustigen nahm die Statue der Schicksals- oder Glücksgöttin ihren angestammten Platz auf dem für drei Millionen Euro wiederaufgebauten Fortunaportal auf dem Alten Markt in rund 25 Metern Höhe ein. Bei einem Bombenangriff im April 1945 fast völlig zerstört und Anfang 1960 endgültig weggesprengt, „beginnt das Herz unserer Stadt nun wieder zu schlagen“, sagte Potsdams amtierender Oberbürgermeister Jann Jakobs. Der erste Schritt zur Wiederherstellung der historischen Mitte sei getan. „Nun mögen ihm bald weitere folgen“, wünschte er sich. Seinen Blick richtete er dabei auf den Bundesverband der deutschen Zementindustrie, der dank des Engagements von Fernsehmoderator Günther Jauch fast das gesamte Geld für das Portal aufgebracht hatte. Doch Verbandspräsident Jürgen Loose winkte ab. „Als wir vor drei Jahren das Vorhaben begannen, war noch nichts von einer Konjunkturkrise zu spüren. Heute würden unsere Zementbetriebe wohl nicht mehr als so große Sponsoren auftreten können."

Der „Förderverein für die Wiederherstellung des Fortunaportals“ will mehr. Er gab sich gleich einen neuen Namen und will jetzt für die rasche Rekonstruktion des Stadtschlosses kämpfen. „Das Portal darf nicht lange allein auf dem Markt stehen“, forderte der Berliner Vereinsvorsitzende Michael Schöne. Schon im nächsten Frühjahr wolle er den ersten Spatenstich zum Wiederaufbau eines der beiden Torflügel feiern.

Ministerpräsident Matthias Platzeck zeigte sich zwar hocherfreut über das Fortunaportal, das er als „unübersehbares Signal für den in Potsdam eingezogenen guten Geist“ wertete. Aber er dämpfte alle Euphorie, dass schon in wenigen Jahren der Landtag eines gemeinsamen Bundeslandes Berlin-Brandenburg in das wiederaufgebaute Stadtschloss einziehen könnte. „Das Land muss einen neuen Kredit in Höhe von 600 Millionen Euro aufnehmen, um überhaupt das Überleben bis Dezember zu sichern“, sagte Platzeck. „Da ist das Thema Landtagsneubau erst einmal in weite Ferne gerückt, auch wenn das eine exzellente Nutzung für das Schloss wäre.“ Claus-Dieter Steyer

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