Der Tagesspiegel : Fortunas Schubkraft

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Claus-Dieter Steyer

über das sich verändernde

Stadtbild Potsdams

Fortuna schwebt wieder über Potsdam, und zwar im doppelten Sinn. Denn die Statue der gewöhnlich fürs Glück zuständigen Göttin glänzt seit dem Wochenende nicht nur auf dem wiederhergestellten Portal des einstigen Stadtschlosses. Sie muss auch wahrhaftig ihr Herz für die noch vor wenigen Jahren als „Heimstatt der Jammer-Ossis“ verrufenen Stadt entdeckt haben. Anders sind die vielen glücklichen Zufälle der jüngeren Vergangenheit wohl nicht zu erklären.

Erinnert sei nur an den Versandhausgründer Werner Otto, der sich seiner brandenburgischen Wurzeln besann und mehrere Millionen Mark und Euro für die Restaurierung des Belvedere auf dem Pfingstberg spendete. Dem kleineren Belvedere auf dem Klausberg nahm sich die bayerische Messerschmitt-Stiftung an. Für das Krongut Bornstedt erwärmte sich eine finanzkräftige Berliner Interessentengruppe, die das Ensemble zu einem der beliebtesten Ausflugsziel machte.

Fernsehmoderator Günther Jauch entschied sich vor fünf Jahren für den Wohnort Potsdam und schob hier nicht nur den Wiederaufbau des Fortunaportals als erstes sichtbares Zeichen für den Wiederaufbau des Stadtschlosses an. Er engagiert sich dank seiner vielen Kontakte auch für das Marmorpalais und andere Bauten.

Schnell liegt bei dieser unvollständigen Aufzählung der Schluss nahe, nur schöne historische Bauten würden die Mäzenen anlocken. Doch auch Software-Ikone Hasso Plattner hat mit seinem Institut Spuren in Potsdam hinterlassen. Die Tropenwelt in der Buga-Biosphärenhalle wird ebenfalls von einem Familienunternehmen betrieben. Im Vergleich dazu fallen misslungene Bauten wie das „Potsdam-Center“ am Bahnhof erst recht negativ auf. Doch das geflügelte Wort, wonach das Glück nur dem Tüchtigen hold sei, trifft auch auf Potsdam zu. Denn hinter den meisten Erfolgen steht das Engagement von tüchtigen Bürgern. Ohne auf den Anschub von oben zu warten, wurden zuerst von Vereinen das Belvedere auf dem Pfingstberg vom Müll befreit, der Stadtkanal ausgegraben oder das Fortunaportal in Angriff genommen. Alles geschah ohne Steuermittel.

Jetzt gibt es sogar Hoffnungen, nach dem Portal sogar das ganze Stadtschloss wieder aufzubauen. Mit Fortuna im Bunde könnte das heute Unfassbare vielleicht gelingen.

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