Der Tagesspiegel : „Fragen Sie Ihren Arzt oder Postboten“

Immer häufiger werden Medikamente aus Versandapotheken geordert

MaximiliAn von Demandowsky

Rund 450 Euro gibt jeder Deutsche im Schnitt pro Jahr für Medikamente aus – das ist eine Menge Geld. Versandapotheken, die mit besonders günstigen Preisen werben, erfreuen sich bei Verbrauchern deshalb immer größerer Beliebtheit. Sie heißen „Sanicare“, „easyApotheke“ oder „VersandApo“. Mal gehören sie einem Apothekeninhaber, der sich neben seiner Präsenzfiliale zusätzlich im Onlinehandel präsentiert, mal einer Apothekenkette – wie dem holländischen Arzneimittelversand „DocMorris“.

Der vergleichsweise geringere Preis der Medikamente im Vergleich zur Präsenzapotheke trägt zur steigenden Akzeptanz der Heilmittelversender bei. Nur wenn es um die Beratungsleistungen geht, hakt es bei so manchem Versandhändler noch. Zwar stieg der Anteil derjenigen Anbieter, die auch eine kompetente telefonische Beratung zu den Risiken und Nebenwirkungen der Medikamenten anbieten weiter an, allerdings, so die Ergebnisse der Stiftung Warentest, ist die pharmazeutische Beratung uneinheitlich und variiert von Anbieter zu Anbieter.

Meist ist die Bestellung von Pillen und Salben per Mausklick, Telefon oder Post beim Versandhandel tatsächlich eine gute Alternative – aber die Bestellung lohnt nicht in jedem Fall. Insgesamt 1800 Apotheken haben nach Angaben des Bundesverbands Deutscher Versandapotheken (BVDVA) eine Erlaubnis zum Versand von Medikamenten. Davon sind allerdings nur zwei Prozent in der Lage, mit bis zu 1000 Aussendungen täglich den Arzneimittelversand im großen Stil zu realisieren. Der Versand ist meist erst ab einer bestimmten Bestellsumme kostenlos. Verbraucher sollten auch darauf schauen, dass keine Nachnahmegebühr anfällt. Ende 2007 nutzten bereits neun Prozent aller Deutschen ab 18 Jahren das Internet zum Kauf rezeptfreier Medikamente. Bei verschreibungspflichtiger Arznei muss zunächst das Rezept auf dem Postweg zur Versandapotheke geschickt werden.

Verschwindet das Rezept auf dem Postweg, muss sich der Patient beim Arzt ein Ersatzdokument holen. Geht das Medikament verloren, hat der Verbraucher den Schaden – er kann allenfalls Schadensersatzansprüche an das Transportunternehmen richten.

Carl-Friedrich Theill, Leiter des Ressorts Gesundheit bei der Stiftung Warentest, hat verschiedene Versandapotheken getestet: „Bei den Nachtests haben wir festgestellt, dass in der Tendenz die Medikamentenberatung insgesamt besser geworden ist.“ Von insgesamt 15 Anbietern, die im letzten Vergleichstest vom Oktober 2007 getestet wurden, haben sechs Anbieter die Note „gut“ erhalten. Darunter Doc Morris, Sanicare, Curavendi, Versandapo, Zur Rose AG und Mycare. Bei den restlichen Anbietern wurden zum Teil erhebliche Mängel vor allem mit Blick auf die Beratungsleistung und bei Fragen zu Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten festgestellt. „Bei der telefonischen Beratung sollte man eine aktive Position einnehmen und ruhig auch zweimal nachfragen, welche Neben- oder Wechselwirkungen bestehen“, rät Carl-Friedrich Theill. In der Regel beantworten die Versandapotheken aber Kundenanfragen über Servicehotlines. Die sind manchmal allerdings kostenpflichtig.

Für die Beurteilung von Qualität und Seriosität des Anbieters lohnt neben dem Preisvergleich auch ein genauerer Blick auf die Internetseite des Anbieters. So sollten neben einer identifizierbaren Adresse in Deutschland, der Schweiz oder einem anderen EU-Land auch Angaben zum Inhaber vorhanden sein. Wichtig ist auch das Vorhandensein eines Notdienstes, ein deutlicher Hinweis zu den Versandbedingungen bei den rezeptpflichtigen Medikamenten sowie zu den allgemeinen Geschäftsbedingungen. Der Bundesverband Deutscher Versandapotheken vergibt das Gütesiegel „Sichere Versandapotheke“, das meist direkt auf der Startseite erscheint.

Bei einer akuten Erkrankung dauert die Onlinebestellung meist zu lange. Chronisch Kranke dagegen können gut abschätzen, wann sie ihre Präparate nachbestellen müssen. Für sie lohnt sich der Arzneiversand. Aber auch Senioren oder gehbehinderte Menschen profitieren von den kurzen Wegen zum Wirkstoff. Und die Auswahl an geeigneten Präparaten ist groß. „Vor allem Präparate zur Erkältungsprävention, durchblutungsfördernde Mittel und schmerzlindernde Salben gegen Gelenk- und Rheumabeschwerden sind sehr gefragt. Das Durchschnittsalter der Kunden im Versandhandel liegt zwischen 40 und 75 Jahren“, sagt Kerstin Kilian vom BVDVA.

Rezeptfreie Medikamente sind oft günstiger als in der Apotheke oder Drogerie vor Ort. Auch bei verschreibungspflichtigen Arzneien gewähren viele Anbieter Rabatt auf die Rezeptgebühr. „Bei der Selbstmedikation im Bereich der rezeptfreien Mittel sind Ersparnisse zwischen 30 und 50 Prozent durchaus möglich.“, sagt Carl-Friedrich Theill von der Stiftung Warentest. Aber auch beim Gang zur Präsenzapotheke lassen sich mitunter Kosten sparen, wenn man statt des Marktführers zu Generika greift, also zu den wirkstoffgleichen Kopien des Originals. Und die sind fast genauso preiswert wie im Versandhandel.

MaximiliAn von Demandowsky (mit AFP)

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