Der Tagesspiegel : Frank Schmökel: Der Triebtäter wartet - kein Hubschrauber in Sicht

Reinhart Bünger

Der Triebtäter und Gewaltverbrecher Frank Schmökel befand sich gestern weiterhin im westfälischen Justizvollzugskrankenhaus Fröndenberg. Zu welchem Zeitpunkt er in die Landesklinik Brandenburg/Havel gebracht werden kann, blieb gestern bis zum Redaktionsschluss offen: Offenbar steht das für den Rücktransport zuständige Sozialministerium in Potsdam vor bisher ungelösten Problemen.

Der Leiter des Justizkrankenhauses Eckbert Wagner erklärte gestern auf Anfrage, er wisse nichts von einem Hubschraubertransport, mit dem Schmökel heute in die Mark ausgeflogen werden sollte. "Wir hoffen, dass die zuständigen Stellen in Brandenburg bald in die Gänge kommen, damit wir hier unser ruhiges, beschauliches Leben fortsetzen können." Schmökel sei vom Anstaltsarzt seit Tagen reisefertig geschrieben worden, "Offizielles ist uns aus Brandenburg aber in dieser Angelegenheit nicht bekannt", betonte Wagner. Auf Grund des derzeitigen Gesundheitszustandes Schmökels sei ein Spezialhubschrauber mit besonderer medizinischer Ausrüstung nicht notwendig. Aus Sicherheitsgründen müsse Schmökel aber auf jeden Fall mit einem Hubschrauber transportiert werden, denn bei einer Entfernung von etwa 500 Kilometern gebe es während einer gut vierstündigen Autofahrt zu viele Fluchtmöglichkeiten. Nach Angaben des ADAC-Flugrettungsdienstes dauert der Transport von Westfalen nach Brandenburg rund eineinhalb Stunden. Für diese Entfernung werden von Krankenkassen Kosten in Höhe von etwa 6600 Mark entstehen.

Die Pressestelle des Sozialministeriums war am Dienstagnachmittag für Nachfragen zum Schmökel-Rücktransport nicht zu erreichen. Die Innenbehörde Brandenburgs erklärte auf Anfrage: "Wir machen keine Rückführung". Ob Polizeibeamte des Landes diesen Transport begleiteten, wisse man nicht. Das Justizministerium erklärte sich in dieser Angelegenheit für "nicht zuständig" und verwies auf das Sozialministerium unter Alwin Ziel.

In der Landesklinik in Brandenburg/Havel soll für den 38-jährigen Schmökel eine besonders sichere Zelle hergerichtet werden. Dort soll - unter anderem - eine Videokamera installiert werden. Der Triebtäter war Ende Oktober bei einem begleiteten Ausgang in Strausberg aus dem Maßregelvollzug geflohen und hatte einen Betreuer lebensgefährlich verletzt. Während seiner Flucht erschlug er nach eigenem Geständnis einen Rentner.

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