Frankfurt (Oder) : Die Solarstadt sieht keine Sonne mehr

First Solar schließt seine Fabriken, Odersun ist pleite, Conergy angeschlagen. Für Frankfurt (Oder) wird ein Traum zum Trauma.

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Eine Stadt kann einpacken. Der Rückzug von First Solar wirft das ohnehin gebeutelte Frankfurt (Oder) weiter zurück.
Eine Stadt kann einpacken. Der Rückzug von First Solar wirft das ohnehin gebeutelte Frankfurt (Oder) weiter zurück.Foto: dpa

Es sah nach dem Beginn einer wirtschaftlichen Blütezeit für Frankfurt (Oder) aus, doch nach nur sechs Jahren lautet die bittere Wahrheit: Der Traum von der Solarstadt ist geplatzt, übrig bleibt eine brandenburgische Grenzstadt an der Oder mit erheblichen sozialen Problemen, einer Arbeitslosenquote von 14,6 Prozent und wenig mehr als der überregional bekannten Europa-Universität. Am gestrigen Dienstag hat der US-amerikanische Solarmodulhersteller First Solar angekündigt, seine beiden Werke in Frankfurt (Oder) zum 31. Oktober zu schließen. Betroffen sind 1200 Arbeitsplätze, zudem weitere rund 300 Jobs bei Zulieferern. Ein Mitglied der Brandenburger Landesregierung sagte, dies sei „mehr als ein Bombeneinschlag“ für Frankfurt (Oder). Und für Brandenburg.

Das Unternehmen galt bei Experten als Branchenprimus und einzig konkurrenzfähiger Modulehersteller im Land. First Solar sei in der Branche Preisführer. Wenn so ein Betrieb schon nicht wettbewerbsfähig sei, habe niemand eine Chance, hieß es aus der Landespolitik. Für Brandenburg, das beim Ausbau erneuerbarer Energien, aber auch bei der klimaschädlichen Verstromung von Braunkohle führend ist, steht viel auf dem Spiel. Das Land als Energieexporteur hatte große Hoffnungen in die Branche gesetzt, hier sollten die Anlagen für alle Welt und mit ihnen in den Weiten des Landes auch der Strom produziert werden. Jetzt sieht Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) einen „Flächenbrand“ und die Energiewende in Gefahr, ausgelöst durch die von der Bundesregierung gekürzte Förderung für Solarparks. Genau damit und mit dramatischen Nachfrageeinbrüchen begründete auch First Solar seinen Rückzug.

Gelb und fröhlich gegen den Solarkahlschlag
Rund 11.000 Menschen zogen nach Angaben des Bundesverbandes Solarwirtschaft (BSW-Solar) vor das Brandenburger Tor in Berlin. Der Verband hatte auch zu der Demonstration aufgerufen.Weitere Bilder anzeigen
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05.03.2012 17:50Rund 11.000 Menschen zogen nach Angaben des Bundesverbandes Solarwirtschaft (BSW-Solar) vor das Brandenburger Tor in Berlin. Der...

Die Geschäftsleitung hat bereits mit dem Betriebsrat Gespräche aufgenommen. Jedem Mitarbeiter solle ein sozial abgefederter und fairer Ausstieg ermöglicht werden, sagte Werksleiter Burghard von Westerholt. Die Zentrale in den USA hat für Abfindungen 38 bis 54 Millionen Euro eingeplant. Wie viel davon nach Frankfurt fließt, konnte Westerholt nicht sagen.Das Werk wird noch bis Oktober die Aufträge aus Europa abarbeiten. Was dann mit dem Werk geschieht, ist offen. Auch einen Verkauf des Werkes schloss Westerholt nicht aus. Dann könnten Arbeitsplätze gerettet werden, auch wenn das wegen der Überkapazitäten unwahrscheinlich ist.

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