Frankfurter Kindermord-Prozess : Erst als Florian tot war, vermissten ihn die Eltern

Geständnisse im Prozess um den vernachlässigten Florian aus Frankfurt: Während die in der Wohnung lebenden Haustiere regelmäßig gefüttert wurden, wurde das Weinen des Kindes ignoriert.

Sandra Dassler

Frankfurt (Oder)– „In den ersten Wochen nach Florians Geburt war ich stolz und glücklich. Warum sich dann alles änderte, kann ich nicht erklären. Ich habe meinen Sohn erst wieder vermisst, als er gestorben war. Es tut mir entsetzlich leid.“

Das sind Sätze aus der Erklärung von Ulrike D., die gemeinsam mit ihrem Ehemann Manuel des Mordes an ihrem Sohn Florian angeklagt ist. Der Junge war am 13. Februar dieses Jahres tot in seinem Bett in der elterlichen Wohnung in Frankfurt gefunden worden. Er war verhungert und verdurstet, wog weniger als bei seiner Geburt sechs Monate zuvor.

Vor dem Landgericht in Frankfurt verlas gestern der Verteidiger der jungen Mutter die Erklärung. Seine 20-jährige Mandantin hatte sich bereit erklärt, danach Fragen zu beantworten. Es wurde eine quälende Prozedur, da sich Ulrike D. an wenig erinnerte. Sie habe die Versorgung von Florian meist ihrem Mann überlassen. Der habe aus einer früheren Beziehung bereits ein Kind und entsprechende Erfahrung. Ihr sei das alles zu viel gewesen. Anfangs sei das Kind noch regelmäßig gefüttert, dann aber sein Weinen oft ignoriert worden, um eine Zigarette fertig zu rauchen oder ein Spiel auf der Playstation zu Ende zu bringen.

Die in der Wohnung lebenden fünf Katzen, zwei Hunde und zwei Meerschweinchen wurden hingegen regelmäßig gefüttert und bei Bedarf zum Tierarzt gebracht.

Manuel D. ließ seinen Verteidiger erklären, er habe Florian geliebt und schäme sich sehr. Tatsächlich habe er ihn meist versorgt, aber nie damit gerechnet, dass sich seine Frau überhaupt nicht um Florian kümmern würde und dieser sterben könnte. Der 21-Jährige, der wie schon in den Prozesstagen zuvor die meiste Zeit nach unten schaute, beantwortete gestern aber keine Fragen. Er fühle sich nicht wohl, hieß es.

Dass Florian immer dünner wurde, war beiden Angeklagten bewusst. Bei ihrer polizeilichen Vernehmung hatte Ulrike D. ausgesagt, sie sei mit ihm nicht zum Arzt gegangen, weil sie eine „Standpauke“ wegen des Zustands ihres Kindes befürchtete. Und Angst hatte, man könne ihn ihr wegnehmen.

„Ich habe Florians Weinen einfach nicht mehr wahrgenommen“, sagte Ulrike D. und schwieg wie so oft, als der Richter fragte: „Können Sie sich vorstellen, dass ihr Sohn litt? Dass er Schmerzen hatte?“

Vor der Tür des Gerichtssaal litt gestern auch ein grauhaariger Herr. Der aus Baden-Württemberg angereiste Vater von Ulrike D. sollte als Zeuge vernommen werden. „Ich bin von Schuldgefühlen zerfressen“, sagte er. Weihnachten 2007 soll er während eines Treffens mit den jungen Eltern bei seiner Mutter in Dresden auf den unterernährten Zustand von Florian aufmerksam gemacht haben. „Den päppeln wir schon wieder auf“, erhielt er zur Antwort und gab sich zufrieden.

Der Prozess wird am 16. Juli fortgesetzt, ein Urteil soll Ende August fallen. 

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