Frankreich : Eisenbahner wollen Streik am Wochenende fortsetzen

In Frankreich ist auch am Samstag und Sonntag mit einem Verkehrschaos zu rechnen. Die Eisenbahner setzen ihren unbefristeten Streik fort. In Paris gab es heute wieder über 250 Kilometer Staus.

ParisEine Mehrheit der Gewerkschaften der Staatsbahn SNCF und der Metro-Gesellschaft RATP stimmte dafür, die Arbeit trotz der grundsätzlichen Einigung auf Verhandlungen mit der Regierung weiter ruhen zu lassen. Am dritten Streiktag in Folge kam es im ganzen Land erneut zu massiven Verkehrsstörungen. In Paris fuhr nur etwa eine von drei U-Bahnen. Der Hauptstadtverkehr staute sich auf mehr als 250 Kilometern Länge. Der Ausstand richtet sich gegen die geplante Reform der Rentenprivilegien für Staatsbedienstete.

Die Regierung will erst dann Verhandlungen aufnehmen, wenn der Ausstand beendet ist. Voraussetzung für einen "umgehenden" Beginn sei ein Aufruf an die Bahnbeschäftigten, die Arbeit wieder aufzunehmen, sagte Arbeitsminister Xavier Bertrand dem Rundfunksender RTL. Bertrand hatte den Gewerkschaften bereits am Mittwoch einen auf einen Monat begrenzten Verhandlungsrahmen vorgeschlagen. Die Gewerkschaft CGT wies jegliche Bedingungen zurück. Grundsätzlich hatten sich beide Seiten bereits darauf geeinigt, sich gemeinsam mit den Unternehmervertretern zu Dreiergesprächen an einen Tisch zu setzen. Bislang hatte die Regierung eine eigene Beteiligung abgelehnt.

Blockade an den Unis

Auch die Studenten setzten ihre Blockadeaktionen an mehreren Hochschulen fort, um gegen eine bereits verabschiedete Uni-Reform zu protestieren. Die Protestbewegung ist die größte Machtprobe für Sarkozy seit seinem Amtsantritt vor sechs Monaten. Sarkozy hatte schon im Wahlkampf angekündigt, die fünf Milliarden Euro teuren Rentenprivilegien zu reformieren. Sie sehen vor, dass etwa Lokführer schon mit 50 Jahren und Mitarbeiter der Gas- und Strombetriebe mit 55 ohne Abschläge in den Ruhestand gehen können. Laut Umfragen hält die Mehrheit der Franzosen die Protestbewegung gegen die Reform nicht für gerechtfertigt. Sollte sich der Ausstand indes in die kommende Woche ziehen, steht Frankreich ein Massenstreik bevor. Am Dienstag wollen auch die Beamten im öffentlichen Dienst die Arbeit niederlegen.

Bereits vor gut vier Wochen hatte ein erster Streik der Eisenbahner den Verkehr in Frankreich lahm gelegt. Heute fuhren etwa 250 von 700 Hochgeschwindigkeitszügen des Typs TGV. Auch der grenzüberschreitende Bahnverkehr war betroffen. Im Großraum Paris war der Bahnverkehr in die Vorstädte stark gestört. Auf den überfüllten Bahnsteigen spielten sich im Gedränge teilweise hysterische Szenen ab. Insgesamt sank die Streikbeteiligung bei der SNCF aber weiter von anfangs mehr als 60 auf gut 32 Prozent. (mit dpa)