Frankreich : Gewerkschaften setzen Bahnstreik aus

Mehr als 70 Prozent der Züge und die meisten Pariser U-Bahnen fuhren heute wieder nach Plan. Der Ausstand der Bahner hat zumindest eines bewirkt. Er hat Präsident Nicolas Sarkozy Sympathien gekostet.

Paris Der Streik der französischen Eisenbahner geht nach zehntägigem Chaos zu Ende. Eine völlige Normalisierung des Zugverkehrs wurde für das Wochenende erwartet. Der französische Präsident Nicolas Sarkozy stellte sich als Sieger im Konflikt dar. Nach Umfragen büßte er allerdings Sympathien bei den Wählern ein, ohne dass die Opposition davon profitieren kann.

"Ich habe die Reform versprochen und sie durchgesetzt", sagte Sarkozy. All denen, "die sich als Geisel eines Konflikts gefühlt haben, der sie gar nichts angeht", sprach er sein Mitgefühl aus. Die Angestellten der Staatsbahn und des Pariser Nahverkehrs hatten gegen eine geplante Erhöhung der Beitragszeit für die Rente protestiert.

Auch Justizministerin verliert an Zustimmung

Nach einer Umfrage des Instituts OpinionWay für die Pariser Zeitung "Metro" sank die Zustimmung für Sarkozy von 63 auf 58 Prozent. Die mit Juristenstreiks konfrontierte Justizministerin Rachida Dati verlor sogar 13 Punkte auf 50 Prozent. Auch die Oppositionsführer, die sich zu dem unpopulären Arbeitskampf kaum zu Wort gemeldet hatten, verloren durchgehend Sympathien.

Die Arbeitgeber bezeichneten den Bahnstreik als "wirtschaftliche Katastrophe". Experten schätzten die Kosten auf fünf Milliarden Euro; die Regierung spricht von 300 bis 400 Millionen pro Tag. Premierminister François Fillon begrüßte die "verantwortungsvolle Haltung der wichtigsten Gewerkschaften". Diese verhandeln jetzt mit Arbeitgebern und Regierung über die Verwirklichung der Rentenreform und einen Ausgleich für die Betroffenen. Die Bahngesellschaft SNCF bot nach eigenen Angaben Verbesserungen in Höhe von 80 Millionen Euro. Die Verhandlungen sollen vor Weihnachten enden. Dann drohen neue Streiks im öffentlichen Dienst gegen Stellenabbau und für höhere Löhne. (mit dpa)