Frankreich : Hunderttausende protestieren gegen Sarkozys Krisenpolitik

Aus Protest gegen die Krisenpolitik von Frankreichs Staatschef Nicolas Sarkozy haben Beschäftigte im ganzen Land erneut die Arbeit niedergelegt. Die Gewerkschaften rechneten nach einem ersten Streiktag im Januar mit einer Rekordbeteiligung an dem Protest.

Proteste Frankreich Foto: AFP
Aufgebracht: Protestierende im südfranzösischen Marseille. -Foto: AFP

ParisDie französischen Gewerkschaften haben am Donnerstag wieder gegen die Krisenpolitik von Präsident Nicolas Sarkozy mobil gemacht. Premierminister François Fillon machte jedoch klar, dass die Regierung keine weiteren Maßnahmen zur Konjunkturankurbelung oder zur sozialen Absicherung finanzieren werde. Der Unternehmerverband MEDEF verurteilte den Streik als "demagogisch" und teuer.

Nach Angaben der französischen Staatsbahn SNCF beteiligten sich 36 Prozent der Eisenbahner an dem Arbeitskampf. Mehr als die Hälfe der Regionalzüge und Hochgeschwindigkeitszüge fielen aus, doch der Schnellverkehr nach Deutschland lief normal. In vielen Städten wurde auch der Nahverkehr lahmgelegt und viele Arbeitnehmer nahmen sich frei, statt sich auf einen stundenlangen Weg zur Arbeit zu machen. Großstädte wie Bordeaux waren daher ruhig wie an einem Sonntag.

In Paris fuhren die meisten Metros wie gewohnt. Die Gewerkschaften hatten das Motto ausgegeben, lieber die Demonstranten zu den Kundgebungen zu transportieren, als den Verkehr zu blockieren. Stark befolgt wurde der Streikaufruf in den Schulen, den Medien und Behörden. So blieben zahlreiche Schulen und Hochschulen geschlossen oder ließen den Unterricht ausfallen. Auch in der Privatwirtschaft, wo Streiks eher ungewöhnlich sind, kam es vermehrt zu Arbeitsniederlegungen. Darunter waren Raffineriearbeiter des Ölkonzerns Total, der trotz Rekordgewinnen 555 Stellen streicht.

Mehr Demonstrationen als Streiks

Den Schwerpunkt der Proteste legten die Gewerkschaften aber auf Demonstrationen, weil viele Kurzarbeiter sich weitere Lohnausfälle nicht leisten können. Landesweit wurde eine Mobilisierung wie am 29. Januar erwartet, als zwischen einer Million und 2,5 Millionen Menschen auf die Straße gingen. Nach dem Protesttag hatte Sarkozy den Gewerkschaften 2,6 Milliarden Euro für soziale Maßnahmen versprochen. Einen solchen "Nachschlag" zum Konjunkturprogramm soll es diesmal nicht geben.

Die französischen Gewerkschaften erhielten Unterstützung aus Deutschland. Der Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), Michael Sommer, erklärte sich in einem Brief an die französischen Gewerkschaftsbünde solidarisch mit deren Kampf für die Sicherung der Arbeitsplätze und für höhere Kaufkraft. Notwendig seien starke Impulse für mehr Wachstum und Beschäftigung, Bildung, Umwelt und sozialen Ausgleich, schrieb Sommer. Die Gewerkschaften würden nicht zulassen, dass die Beschäftigten in Europa den Preis für eine Krise zahlten, die andere durch verantwortungloses Handeln verursacht hätten. (mhz/dpa)