Frankreich : Präsident Sarkozy verurteilt Dauerstreik

Seit Tagen wird der Bahnverkehr in Frankreich bestreikt - nun meldete sich Präsident Sarkozy zu Wort. Die geplante Reform, die Frührente in Staatsbetrieben abzuschaffen, will er durchsetzen. Selbst wenn es dann "Krieg" gäbe.

Proteste Frankreich
Die Bahnarbeiter wollen sich die Refomren nicht kampflos gefallen lassen. -Foto: AFP

ParisEine Woche dauern die Streiks in Frankreich bereits – und erst heute haben die ersten Gespräche zwischen Regierung und Gewerkschaften stattgefunden. Vertreter der Beschäftigten bei den Pariser Verkehrsbetrieben (RATP) trafen sich am Morgen mit der Unternehmensführung und Regierungsberatern, um über die geplante Abschaffung der Frührente in Staatsbetrieben zu diskutieren. Am Nachmittag werden die Gespräche fortgesetzt. Der landesweite Streik der Eisenbahner geht trotz der laufenden Verhandlungen weiter - knapp die Hälfte der TGV-Züge fuhren nicht, in Paris fielen zahlreiche Metros aus.

Bahnchefin Anne-Marie Idrac sagte vor den Verhandlungen im Fernsehsender France 2, dass sie bei den Gesprächen "nicht knausrig" sein werde. Allerdings werde sie auch nicht "unverantwortlich" sein und die Entwicklungsmöglichkeiten des Konzerns beschneiden oder einen Ausgleich für die abzuschaffende Frührente schaffen.

Präsident Sarkozy signalisiert Unnachgiebigkeit

Am Vorabend hatte sich Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy erstmals seit Tagen öffentlich zum Streik geäußert. Er signalisierte den Gewerkschaften Unnachgiebigkeit bei den Reformen, zeigte sich aber offen für Ausgleichsregelungen. Vor seinen Mitarbeitern äußerte sich Sarkozy nach einem Bericht des Enthüllungsblatts "Le canard enchaîné“ deutlicher: "Wenn der Konflikt sich zuspitzt, was ich nicht glaube, dann wird es eben Krieg geben. Es ist mir egal, ob man mich mit (der früheren britischen Premierministerin) Margaret Thatcher vergleicht. Immerhin wurde sie drei Mal in Folge gewählt“, sagte er.

Neben den intensiven Streiks in den vergangenen Tagen meldete die französische Staatsbahn SNCF auch erste massive Sabotageakte. Es habe mehrere "koordinierte Aktionen" gegen vier Strecken des Hochgeschwindigkeitszuges TGV gegeben, erklärte das Unternehmen. Auf der Hochgeschwindigkeitsstrecke "Atlantik" habe ein großer Kabelbrand das Signalsystem lahmgelegt. Kein Zug habe die Strecke befahren können, die TGV-Züge hätten über das klassische Netz umgeleitet werden müssen. Zudem wurde der Betrieb durch mehrere Kabelbrände gestört.

Der Staatssekretär im Verkehrsministerium Dominique Bussereau verurteilte die Anschläge. Gewerkschaftsführer bezeichneten die Saboteakte als "untragbar" und "feige". Die Täter sind bisher nicht bekannt.

Protest gegen die Abschaffung der Frührente

Die Beschäftigten der Staatsunternehmen wollen mit ihren durchgehenden Protesten darauf aufmerksam machen, dass sie zweieinhalb Jahre länger als bisher bis zur Rente arbeiten müssen. Bisher können Lokführer im Schnitt mit 50, Angestellte anderer Staatsunternehmen mit 55 in Rente gehen. Aus Perspektive der Gewerkschaften machen diese Privilegien Sinn, da es sich um eine Branche mit harten Arbeitsbedingungen handle. (mit dpa/AFP)