Frankreich : Steigende Brotpreise bringen Sarkozy in Bedrängnis

Saftige Preissteigerungen bei Backwaren sorgen derzeit in Frankreich für Unmut. Gleich um acht Prozent sollen Baguettes künftig mehr kosten, heißt es. Die Regierung ist "alarmiert".

Kerstin Löffler
Sarkozy
Macht sich Sorgen ums Brot: Nicolas Sarkozy. -Foto: AFP

ParisAls die Franzosen 1789 auf die Barrikaden stiegen, ging es ihnen nicht nur um hohe Ideale. Die Französische Revolution hatte sich an einem ganz simplen Grund entzündet: Das Brot war so teuer, dass es sich die einfachen Menschen nicht mehr leisten konnten. Fast 200 Jahre lang galten danach für Brot in Frankreich staatlich festgesetzte Höchstpreise. Erst 1978 wurden sie abgeschafft - dem Staat schien die Gefahr von Volksaufständen wegen des Baguette-Preises offenbar gebannt. Dennoch zeigte sich die Regierung des konservativen Präsidenten Nicolas Sarkozy diese Woche sofort "alarmiert", als die Bäcker kräftige Preiserhöhungen ankündigten.

Die Gewerkschaften üben derzeit immer offener Kritik an Sarkozys Kurs, der in ihren Augen bisher vor allem den Reichen Steuergeschenke gebracht hat. Die linke Tageszeitung "Libération" druckte nun ein goldenes Baguette auf ihrem Titelblatt. Innen widmet sich die Zeitung dann ausgiebig der Frage, was neben höheren Brotpreisen unter dem neuen Präsidenten noch alles auf die Franzosen zukomme. Das Land sorge sich immer mehr darum, dass es sich immer weniger leisten könne, hieß es, und zwei Drittel aller Franzosen trauten der Regierung nicht zu, die Kaufkraft ihres Geldes zu verteidigen.

Kein Wunder also, dass Wirtschaftsministerin Christine Lagarde in die Offensive ging, als die Bäckerbranche vor ein paar Tagen erneute Preiserhöhungen ankündigte. Mehr als fünf Prozent dürften die Bäcker das Baguette nicht teurer machen, verlangte Lagarde. Sie habe die Behörde für Wettbewerb und Verbraucherschutz "alarmiert", sehr genau über die Preiserhöhung zu wachen. Wenn die Großbäcker, die Supermärkte und Restaurants beliefern, das Baguette demnächst wie angekündigt um acht Prozent teurer machen wollten, komme ihr das "ein bißchen viel vor im Vergleich zum gestiegenen Weizenpreis", sagte Lagarde.

Günstiger als ein Espresso

Ein Industriebaguette kostet in Frankreich derzeit etwa fünfzig Cent, während die kleinen Bäckereien zwischen 75 und 95 Cent für ein Stangenbrot verlangen. Das "traditionelle" Baguette, das meist noch von Hand geknetet wird und keine Zusatzstoffe enthält, kann bis zu 1,30 Euro kosten. Die Bäckerinnung und Branchenverbände rechtfertigen die Preiserhöhung ihrerseits auch damit, dass der Staat dieses Jahr die Mindestlöhne erhöht hat. Zudem machen sie die gestiegenen Kosten für Getreide wegen Missernten in vielen Weltregionen geltend.

Auch der Pariser Bäcker Régis Colin, offiziell "Master de la Baguette" der Hauptstadtregion, wird den Preis für sein Brot bald um fünf Cent anheben. Aus seiner Sicht hat dies vor allem mit den Löhnen zu tun, wobei er seinen acht Mitarbeitern deutlich mehr als den Mindestlohn zahlt. "Ein gutes Baguette braucht Zeit", sagt Colin, während er die Brote auf dem Backblech eines nach dem anderen mit einer Rasierklinge schräg einschneidet. "Sechs Stunden, von A bis Z", das Wichtigste sei die Ruhezeit, und natürlich forme er das Baguette noch von Hand. Und wenn er den Preis demnächst um ein paar Cent erhöhe, werde es immer noch günstiger sein "als zum Beispiel ein Espresso im Café". (mit AFP)