Franz Beckenbauer : Die Stille nach dem Schluss

Es war sein Turnier: Franz Beckenbauer hat während der WM sogar geheiratet – und beschlossen, das Leben im Jetset aufzugeben.

Robert Ide

Es gibt wenige, die Franz Beckenbauer nicht kennen. Seine Kinder gehörten lange dazu.

Empfänge, Werbetermine, Konferenzen, Hotels, Fernsehstudios, immer gleiche Hände zum Schütteln, immer gleiche Fragen zum Beantworten, eine ständig wiederkehrende Weltreise. Das war das Leben von Franz Beckenbauer, 60 Jahre alt und Vater von fünf Kindern. Bei der WM kam der Besuch von 48 der 64 Spiele hinzu, unterwegs im Helikopter. An der Seite seine Freundin Heidi Burmester. Ab dem 23. Juni hieß sie Frau Beckenbauer. Hochzeit inmitten der WM.

Im Standesamt Oberndorf bei Kitzbühel sind sie fast allein. Die gemeinsamen Kinder Joel, 5, und Francesca, 2, sind da, dazu zwei Trauzeugen, unter ihnen Beckenbauers Bruder Walter. Danach fliegen sie mit dem Hubschrauber zurück ins Stadion. „Bei der Hochzeit wollten wir nur für uns sein“, sagt Beckenbauer.

Einen Raum der Stille hat er mit dieser geheimen Aktion geschaffen. Der Bub aus München-Giesing, der sich zuweilen selbst über seinen Aufstieg zur weltweit umflirrten „Lichtgestalt“ wundert, hat eine Pause in sein gehetztes Leben als Botschafter der Franz-Beckenbauer-WM gerissen. Es ist sein erster Schritt in die Welt, in der etwas anderes zählt als flüchtiges Händeschütteln, flüchtiges Fragenbeantworten. Eine Welt, in der Beckenbauer lange nur flüchtig zu Hause war: die der Familie.

So erklärt sich die Wahl des Hochzeitstages. Am 23. Juni 2006 wäre Franz Beckenbauers Mutter Antonie 93 Jahre alt geworden. Der Tod seiner wichtigsten Vertrauensperson im Januar 2006 hatte ihn aus der Bahn geworfen. Plötzlich war Beckenbauer nicht mehr zu sehen und zu hören. In diesen Tagen habe er sich vorgenommen, sein Jetset-Leben aufzugeben, berichten Vertraute.

Nach der WM fuhr Beckenbauer mit seinen Kindern in den Urlaub nach Südafrika. Ja, das ist das nächste WM-Land, für das Beckenbauer künftig als Fifa-Botschafter auftreten soll. Aber nein, geschäftliche Termine nahm er kaum wahr. „Wir haben uns Tiere angesehen und viel miteinander gespielt“, erzählt Franz Beckenbauer heute. Und dann sagt er: „Ich glaube, meine Kinder haben mich zum ersten Mal kennengelernt.“

Er hat sich in die Regierung des Fußballs wählen lassen, ins Exekutivkomitee der Fifa. Manchmal fliegt er zu Sitzungen nach Zürich, dann wird besprochen, wie das Spiel, dem er seinen Aufstieg verdankt, noch attraktiver werden kann. Beckenbauer will da zurück zur Bescheidenheit. „Die Grenze des Geldverdienens ist erreicht“, sagt er. Einen Job als Uefa- oder Fifa-Präsident hätte er anstreben können. Aber das sollen andere machen.

Seine eigenen Grenzen hat Franz Beckenbauer – inzwischen ist er 61 – längst erkannt. Den 23. Juni 2007 möchte er mit Trauzeugen und Kindern feiern, sie wollen essen gehen in Tirol. Die Stille soll sich ausweiten, das hat sich Beckenbauer vorgenommen, gerade für seinen ersten Hochzeitstag, gerade für den Tag, an dem seine Mutter 94 geworden wäre. Er sagt: „Mit dem Hubschrauber werden wir an dem Tag bestimmt nicht unterwegs sein.“