Frauen-Autohaus : Wo Frauen einparken und Reifen wechseln

Im ersten deutschen Frauen-Autohaus bei Berlin können die Mitarbeiterinnen ungebremst Karriere machen.

Lukas Grasberger (HB)

Die Sonne scheint über dem Autohaus „Señorita Maria“ in Hennigsdorf bei Berlin. Und Maria Erkner, die 23-jährige Chefin des ersten deutschen Frauen-Autohauses, strahlt Zuversicht aus. Die Diplom-Kauffrau hat vor knapp einem halben Jahr einen nur von Frauen betriebenen Seat-Handel mit Werkstatt eröffnet, der sich speziell weiblichen Kundenbedürfnissen widmet. Und traf damit offenbar eine Marktlücke.

Erkner stellte acht Mitarbeiterinnen zwischen 19 und 26 Jahren für Werkstatt und Verkauf ein. Die Idee dazu hatte sie im Autogeschäft ihres Vaters, wo sie jobbte. „Ich habe gesehen, dass Frauen nicht auf die beruflichen Positionen kamen, die sie wollten“, sagt die zierliche Chefin mit leisen Worten, die leicht über ihre Bestimmtheit hinwegtäuschen könnten: „Manchen wurden bei der Karriere regelrecht Steine in den Weg gelegt.“

Die Kfz-Branche ist nach Angaben ihres Bundesverbandes noch immer eine Männerdomäne. Zwar liegt die Zahl der weiblichen Auszubildenden im Kfz-Verkauf mittlerweile etwas höher als die der männlichen. Doch die Chefs sind noch immer meist Männer. Auch in den Werkstätten sieht man selten Frauen: 2008 waren gerade zwei Prozent der 70 000 Lehrlinge im Kfz-Handwerk Frauen. Obwohl das Interesse größer ist: Die Zahl der Bewerberinnen für eine solche Ausbildung zu Werkstattjobs wie Mechatroniker, Servicemechaniker oder Karosseriemechaniker lag bei etwa zehn Prozent.

Wenn ein Paar zum Berliner Frauen-Autohaus kommt, so frage die Verkäuferin ausdrücklich die Frau nach ihren Wünschen. Denn Kundinnen achteten stärker auf Details. Wo Mann mit einer bestimmten PS-Zahl zufrieden sei, seien Käuferinnen auch die Ausstattung wie Farbe, Sitzheizung oder Kofferraumgröße wichtig.

Vor allem aber unterscheidet sich der Umgangston bei „Señorita Maria“ von dem in anderen Autohäusern: ein Leitbild spricht von „familienorientiertem demokratischem Führungsstil“. Heißt auch: Die Frauen verdienen gleich viel wie die Männer in der Branche und die Mitarbeiterinnen profitieren von flexiblen Arbeitszeiten. Es gibt eine Kinderspielecke.

Frauen-Autohaus-Chefin Erkner hat seit Oktober 20 Fahrzeuge verkauft – ohne Abwrackprämie, die galt da schon nicht mehr. Ganz zufrieden ist sie nicht, „aber wir kommen über die Runden“. Damit scheint es bei der Händlerin runder zu laufen als für Seat insgesamt. 2009 lag der Verlust des Sorgenkindes im VW-Konzern bei 339 Millionen Euro.

Lukas Grasberger (HB)

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