Der Tagesspiegel : Frei schwingen

Jacob Strobel hat mit einem Stuhl Karriere gemacht

Rolf Brockschmidt

Jacob Strobel hatte eine Vision: „Ich wollte einen Lounge-Chair ohne Polster gestalten. Er sollte flexibel sein, den Komfort sollte man nicht sehen, aber spüren.“ Ein Widerspruch in sich? Über einen Messestand der Universität während der Kölner Möbelmesse hatte der Student Kontakt zu dem österreichischen Hersteller team7 bekommen und sein Projekt dem Geschäftsführer Georg Emprechtinger vorgestellt. Der war sofort begeistert von der Arbeit des angehenden Designers und lud ihn ein, die Technik der Firma zu nutzen, um seine Prototypen zu entwickeln. Nach Rücksprache mit den Professoren in Schneeberg entstanden sechs Prototypen, die gleichzeitig für die Diplomarbeit galten. „Der Abschluss meines Diploms war gleichzeitig mein Eintritt bei team7“, erzählte Jacob Strobel während der Internationalen Möbelmesse in Köln. Er leitet für team7 jetzt den Bereich Sitzmöbel und hat mit seinem Stuhl „lux“ gleichzeitig noch den „interior innovation award 2008“ der Kölner Messe gewonnen. Ein Bilderbuchstart für einen Berufsanfänger. So richtig kann er sein Glück noch nicht fassen.

Die Arbeit mit Holz war ihm nie ganz fremd, der Onkel besitzt eine Schreinerei, er hat Tischler gelernt und im Studium hat er sich ganz auf ein Produkt fixiert. Einen Freischwinger wollte er entwerfen. „Es gibt so viel zu bedenken, man braucht ein Gespür für Holz. Dann muss sich der Stuhl auch der Wohnsituation anpassen. letztendlich muss man immer mehr reduzieren, Details wegnehmen, vereinfachen. Ich habe immer wieder Modelle gebaut und mich bei der Arbeit draufgesetzt.“ Letztendlich hat die Entwicklung eineinhalb Jahre gedauert, davon ein Jahr reine Entwicklung, ein halbes Jahr für das Diplom. Das Resultat sind sieben Stühle, sieben Holzsorten, sieben Schritte. Zuerst hatte er seinen „lux“ in einer Holzlamellenkonstruktion entworfen, aber massives Holz ist nicht flexibel. Sein Ziel war aber ein flexibler Stuhl, der nach allen Seiten frei schwingt. „Ich nenne das maßvolles Schwingen nach allen Seiten“, sagt Strobel. Dafür hat er die Beine, die sich unten kreuzen, ein wenig schräg gestellt, das schränkt das Schwingen ein. Für den Sitz hat er eine Sperrholzplatte genommen, die auf den vier Enden der Beine aufliegt. Die sind inzwischen aus Stahl – wegen der Stabilität. Wichtig war ihm, das Gestell auch so zu entwerfen, dass es leicht zu produzieren und zu stapeln ist, um Packvolumen zu sparen.

In der Rückenlehne sind Lederreste aus der Schuhindustrie mit Latex vermengt, was ein neues Produkt mit Ledereigenschaften ergibt. Die Lehne selbst ist durch eine leichte Abkantung gedreht, was dem Stuhl zusätzliche Eleganz und das gewisse Etwas vermittelt. Nun hat er ausgerechnet mit einem Metall-Stuhl einen Designpreis für eine Firma gewonnen, die ganz stolz auf ihr Vollholz-Programm ist. „Wir öffnen uns“, sagt Strobel, „der Stuhl passt zur Produktpalette, er passt zu Holz und er ist gut, um neue Kunden zu gewinnen.“ Georg Emprechtinger ist zufrieden mit seinem neuen Mitarbeiter. „Wir versuchen alte Handwerkstraditionen zu retten. Wir wollen auch den Manufakturcharakter von team7 wahren.“ Tüftler wie Strobel gehören dazu. Rolf Brockschmidt

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