Freilassung der deutschen Geisel : Rudolf Blechschmidt auf dem Weg nach Deutschland

Der aus der Geiselhaft in Afghanistan freigelassene Rudolf Blechschmidt ist am frühen Morgen aus Kabul abgeflogen und auf dem Weg nach Deutschland. Über die genauen Umstände seiner Freilassung ist bisher noch kaum etwas bekannt.

Kabul/Berlin          Nach der Freilassung des vor zwölf Wochen in Afghanistan entführten deutschen Bauingenieurs Rudolf Blechschmidt macht sich bei der Familie des Mannes Erleichterung breit. "Wir können unser Glück noch gar nicht so richtig fassen", sagte sein Sohn Markus. Nach seiner Freilassung in der afghanischen Provinz Wardak war Blechschmidt am Abend zunächst in die deutsche Botschaft nach Kabul gebracht und medizinisch untersucht worden. Aus Sicherheitskreisen verlautete, es gehe ihm nach fast dreimonatiger Geiselhaft gesundheitlich "überraschend" gut. Derzeit befindet sich der Bauingenieur laut dem Auswärtigen Amt auf dem Rückflug nach Deutschland. Er wird am Nachmittag in Frankfurt erwartet.

Blechschmidt sei "in erstaunlich guter geistiger und körperlicher Verfassung". Er habe mit seiner Familie telefoniert und die Nacht in der Botschaft verbracht, hieß es in Sicherheitskreisen. Auch Sohn Markus berichtete: "Er hat gemeint, es geht ihm den Umständen entsprechend gut." "Wir freuen uns sehr", sagte die geschiedene Frau Blechschmidts, die zusammen mit den beiden gemeinsamen Söhnen in Ottobrunn bei München lebt.

Auch fünf Begleiter frei

Nach afghanischen Angaben hatten die Kidnapper B. freigelassen, nachdem die Behörden in Kabul vier festgehaltene Afghanen auf freien Fuß gesetzt hatten. Bei den vier Männern handele es sich um den Vater und drei Helfer des flüchtigen Mullah Nesamuddin, der für die Entführung des Deutschen verantwortlich sei, sagte der Verwaltungschef des Distrikts Jaghatu, Haji Naeem Khan. Die vier Männer waren den Angaben zufolge am 27. September festgenommen worden, um den Druck auf die Entführer zu erhöhen. Auch die fünf ebenfalls entführten afghanischen Begleiter des deutschen Bauingenieurs kamen frei. Der zweite mit Blechschmidt entführte Deutsche, Rüdiger D., war wenige Tage nach der Entführung am 18. Juli von den Geiselnehmern erschossen worden.

Bundeskanzlerin Angela Merkel nahm die Nachricht von der Freilassung Rudolf Blechschmidts mit großer Erleichterung auf. Merkel dankte dem Krisenstab des Auswärtigen Amtes unter der Leitung von Minister Frank-Walter Steinmeier sowie der afghanischen Regierung für ihre erfolgreiche Arbeit. Steinmeier dankte der Regierung in Kabul "für ihren unermüdlichen und letztlich erfolgreichen Einsatz".

Taliban mit kriminellem Hintergrund

Bei den Entführern soll es sich um eine örtliche Taliban-Gruppe mit kriminellem Hintergrund handeln, die nur lose Verbindungen zu den straff organisierten radikalislamischen Extremisten unterhält und nicht unter der Befehlsgewalt des Taliban- Führungsrates steht. Dennoch hatten die Entführer wiederholt den Abzug der Bundeswehr aus Afghanistan gefordert.

Freude herrschte am Mittwoch auch in Blechschmidts früherem Heimatort Bad Brückenau in Bayern. "Wir freuen uns riesig", sagte die 2. Bürgermeisterin Brigitte Meyerdierks (CSU). Rudolf Blechschmidt war als kleiner Junge aus dem Osten Deutschlands in die unterfränkische Stadt gekommen und bei seinen Großeltern aufgewachsen. Bayerns neuer Ministerpräsident Günther Beckstein (CSU) sagte: "Mir ist ein Stein vom Herzen gefallen. Ich freue mich, dass diese Tragödie eine gute Wendung genommen hat." (mit dpa)