Friedliche Proteste : Birmas Militär schießt auf Mönche

Mit offener Gewalt hat Birmas Militärjunta heute auf die von buddhistischen Mönchen angeführten Proteste reagiert. Mindestens acht Menschen wurden dabei offenbar erschossen.

Rangun/New YorkMit offener Gewalt hat die Militärjunta in Birma erstmals auf die von buddhistischen Mönchen angeführten Massenproteste reagiert. Mindestens acht Menschen - darunter fünf Mönche - wurden nach Angaben eines oppositionellen Rundfunksenders in der Hafenmetropole Rangun von Sicherheitskräften erschossen. Außerdem habe es annähernd 150 Verletzte gegeben, berichtete der aus Norwegen ausstrahlende Rundfunksender Democratic Voice of Burma unter Berufung auf Augenzeugenberichte. UN- Generalsekretär Ban Ki Moon kündigte die Entsendung seines Sonderbeauftragten Ibrahim Gambari nach Birma an. Erneut rief Ban die Militärjunta auf, gegenüber den friedfertigen Demonstranten absolute Zurückhaltung zu üben.

Wegen der Eskalation der Lage in dem südostasiatischen Land wurde international der Ruf nach schärferen Sanktionen gegen die herrschende Militärjunta lauter. Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen kam zu einer Sondersitzung zusammen. Ob dabei eventuell Sanktionen beschlossen werden sollten, wurde vor den Beratungen nicht bekannt. Die Märsche der Mönche hatten vor knapp zehn Tagen als Reaktion auf drastische Erhöhungen der Benzin- und Gaspreise begonnen und sich zur größten Protestkundgebung seit Niederschlagung der Demokratiebewegung 1988 entwickelt.

Demonstranten lassen sich nicht einschüchtern

Bei Schlagstock- und Tränengaseinsätzen an der Shwedagon- und Sule-Pagode in Rangun, den Zentren der friedlichen Protestbewegung der Mönche, wurden Dutzende Menschen festgenommen und auf Militärlastern fortgebracht. Trotz des massiven Eingreifens der Militärs ließen sich Tausende von Demonstranten nicht davon abbringen, erneut durch die Straßen zu ziehen. An den Barrikaden drängten Soldaten große Menschenmengen immer wieder zurück, die sich auch durch die Machtdemonstration der Militärjunta nicht beeindrucken ließen. Auch in der zweitgrößten Stadt des Landes, Mandalay, gingen trotz starker Militärpräsenz erneut Tausende auf die Straße.

Die EU und die USA verurteilten in einer gemeinsamen Erklärung die Gewalt gegen friedliche Demonstranten in Birma. "Wir sind zutiefst besorgt über Berichte, dass die Sicherheitskräfte friedliche Demonstranten angegriffen und unter Beschuss genommen sowie viele buddhistische Mönche und Andere festgenommen haben", heißt es in der in Brüssel veröffentlichten Erklärung.

G8-Außenminister fordern die Militärjunta zum Einlenken auf

Die Außenminister der G8 - die sieben führenden Industrienationen und Russland - forderten die Militärführung in Birma zur Gewaltfreiheit und zum Dialog mit den Demonstranten auf. "Wir rufen die Regierung und die Behörden von Birma auf, umgehend in einen Dialog mit den religiösen Gruppen und demokratischen Kräften des Landes einzutreten, um eine friedliche Lösung ohne jede Gewalt zu erreichen", lautete ihre Kernforderung, die bei einem Treffen mit Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier in der deutschen UN-Botschaft in New York formuliert wurde. "Wir sind zutiefst besorgt und verurteilen jegliche Form von Gewalt gegen friedliche Demonstranten", heißt es weiter in der Erklärung.

In Berlin wurde der Botschafter Birmas ins Auswärtige Amt einbestellt. Bundeskanzlerin Angela Merkel rief die Militärjunta zum Gewaltverzicht gegen die friedlichen Demonstranten auf. Die Machthaber müssten den Weg für eine demokratische und friedliche Zukunft des Landes frei machen.

EU will über Verschärfung der Sanktionen beraten

Nach Angaben der portugiesischen EU-Ratspräsidentschaft werden die Botschafter der 27 EU-Staaten an diesem Donnerstag über eine mögliche Verschärfung der Sanktionen gegen Birma beraten. Die EU hatte 1996 erstmals Sanktionen gegen die Regierung in Birma verhängt, darunter ein Waffenembargo und Einreiseverbote gegen die Führungspersonen der Militärjunta.

Die Reiseanbieter Dertour und Meier's Weltreisen haben ihre Birma- Reisen vorerst abgesagt. Davon seien etwa 200 Kunden betroffen, teilte eine Sprecherin der Muttergesellschaft Deutsches Reisebüro (DER) in Frankfurt mit. Im Oktober werde entschieden, ob das südostasiatische Land wieder sicher bereist werden könne. Auch derzeit seien Deutsche mit DER in Birma, aber alle seien wohlauf, es bestehe keine Gefahr für die Reisenden. (mit dpa)