Der Tagesspiegel : Frost lässt Bauern erschaudern

Zu kalt und zu trocken: Bis zu 80 Prozent der Zuckerrüben, Rapsfelder und Kirschblüten sind hin

Claus-Dieter Steyer

Prenzlau - Das Wetter treibt den Bauern in Brandenburg wieder Sorgenfalten ins Gesicht. Seit Wochen ist es viel zu trocken, so dass sich viele Getreidearten nur zaghaft entwickeln. Große Schäden haben die starken Nachtfröste in dieser Woche angerichtet. Vor allem bei Zuckerrüben, Raps und den Obstbäumen befürchten die Bauern große Verluste. Wegen der Trockenheit gilt in fast allen Landkreisen die höchste Waldbrandwarnstufe. Seit drei Wochen starten täglich von Eberswalde aus Flugzeuge zur Überwachung der Wälder.

Der Meteorologe Thomas Globig spricht von einer „außergewöhnlichen Wetterlage“. So starke Nachtfröste wie zwischen Dienstag und Donnerstag habe es zu diesem Zeitpunkt lange nicht mehr gegeben. Kältepol war mit minus zwölf Grad Neuglobsow an der Grenze zu Mecklenburg. Nauen im Havelland meldete minus 11, ebenso die Uckermark. Selbst am Berliner Stadtrand wurden noch minus sechs Grad erreicht, am Erdboden war es noch zwei Grad kälter.

„Wir haben rechtzeitig vor diesen extremen Temperaturen gewarnt“, sagt Globig. „Die Kübel- und Balkonpflanzen konnten also in Sicherheit gebracht werden.“ So ein Schutz war auf den Feldern und Plantagen natürlich nicht möglich. Entsprechend verzweifelt reagieren jetzt viele Bauern. „Von den Zuckerrüben sind 80 Prozent erfroren“, stellte Landwirt Martin Krause aus Seelübbe bei Prenzlau fest. „Da ist nichts mehr zu machen. In der ganzen Uckermark und weit bis nach Mecklenburg-Vorpommern sind die Felder geschädigt.“ Der gleiche Ausfall betreffe den Raps. Der Frost habe die Pflanzen schwarz werden lassen.

Auch die Obstbauern im Havelland rechnen mit erheblichen Ausfällen. „70 bis 80 Prozent der Kirschblüten sind durch den Frost kaputt“, errechnete Manfred Kleinert vom Obstgut Marquardt bei Potsdam nach seinem Rundgang. Allerdings geben Experten die Obsternte noch nicht ganz verloren. „Die Natur hilft sich meistens selbst“, meint Jürgen Ebel, Präsident des Brandenburger Gartenbauverbandes. „Die 20 Prozent unbeschädigten Blüten könnten sich prächtig entwickeln und die Verluste teilweise ausgleichen.“

Dafür müsste es allerdings endlich stärker regnen. Während der Januar und Februar etwas zu feucht waren, brachte der März nur zwischen 35 und 60 Prozent der langjährigen Niederschlagsmenge. Der April fiel bislang ebenfalls deutlich zu trocken aus. Die Meteorologen maßen nur ein Fünftel des sonst üblichen Regens. Thomas Globig prognostiziert: „Am Montag und Dienstag könnten wir mit Regen rechnen, der den Boden dann einige Zentimeter tief durchfeuchtet.“ Aber der von den Bauern so sehnlich erwartete ausgiebige Landregen sei nicht in Sicht. „Das seit März aufgelaufene Defizit wird wohl auch in den nächsten Wochen nicht ausgeglichen“, meint Globig.

Keine Sorgen um das ungewöhnliche Wetter machen sich dagegen die Spargelbauern. „Unsere Pflanzen liegen unter einer Schutzfolie“, erklärt Ernst-August Winkelmann vom Spargelhof in Klaistow. „Durch die kühle Witterung wachsen die Stangen zwar langsamer. Aber dafür stimmen Qualität und Geschmack.“

Die letzte große Dürre gab es in Brandenburg 1992 und im Jahre 2003.

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